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Zeitschriftenstapel

Springer muss 16 sinnfreie Artikel löschen

Peinlich: Der internationale Wissenschaftsverlag Springer muss 16 Pseudo-Fachartikel in seinen Archiven löschen, die von einem Computerprogramm zusammengebastelt wurden. Die angeblichen Berichte von wissenschaftlichen Konferenzen würden "so schnell wie möglich" entfernt, teilte der Verlag am Donnerstag mit.

Nonsens-Attacke 28.02.2014

Der französische Informatikwissenschaftler Cyril Labbé von der Universität Grenoble spürte derartige Nonsens-Artikel nicht nur in Springer-Publikationen zu Informatik und Ingenieurswissenschaften auf. Laut einem Bericht von "Nature" entdeckte er auch mehr als 100 falsche Artikel in Publikationen des in New York ansässigen Institute of Electrical and Electronic Engineers (IEEE).

Willkürliche Aneinanderreihung von Fachbegriffen

Erstellt wurden die Artikel mit dem Computerprogramm SCIgen, das 2005 von Wissenschaftlern des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt worden war. Das Programm setzt willkürlich wissenschaftliche Fachbegriffe oder Textbausteine aneinander, fügt Grafiken ein und erfindet Quellenangaben. Heraus kommen Artikel, die zwar auf den ersten Blick echt erscheinen, aber überhaupt keinen Sinn ergeben.

Die MIT-Forscher reichten mit SCIgen erstellte Artikel bei Fachkonferenzen ein - und blamierten die Forschergemeinschaft: Der Schabernack zeigt, wie oberflächlich die Kontrollen von wissenschaftlichen Publikationen mitunter ablaufen.

Der französische Forscher Labbé hat sich darauf spezialisiert, wie man von SCIgen geschriebene Artikel aufspüren kann. Die nun von ihm aufgedeckten 130 Artikel stammen aus der Zeit zwischen 2008 und 2013. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Labbe, in einigen Fällen sei das Vorwort des computergenerierten Artikels per Hand nachgebessert worden, um authentischer zu erscheinen.

Labbe selbst hatte das Computerprogramm 2010 genutzt, um mehr als hundert falsche Artikel eines von ihm frei erfundenen Wissenschaftlers zu verfassen und in der Wissenschaftsdatenbank Google Scholar zu veröffentlichen. Der von ihm erfundene Forscher "Ike Antkare" (hinter dessen Name sich der Satz "I can't care" verbirgt) stand dort zwischenzeitlich auf Platz 21 der am meisten zitierten Autoren - und damit klar vor Albert Einstein.

science.ORF.at/AFP

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