Standort: science.ORF.at / Meldung: "Doppelt so viele Überschwemmungen bis 2050 "

Mann steht im Hochwasser

Doppelt so viele Überschwemmungen bis 2050

Das Risiko extremer Hochwässer in Europa könnte sich bis 2050 mehr als verdoppeln - die dabei entstehenden Schäden könnten sich sogar verfünffachen. Das zeigt eine Studie im Fachjournal "Nature Climate Change".

Prognose 03.03.2014

Die Schadenssumme durch Fluten in der EU lag zwischen 2000 und 2012 bei durchschnittlich 4,9 Mrd. Euro pro Jahr. Die Wissenschaftler rechnen damit, dass sich die Schäden bis 2050 auf 23,5 Mrd. Euro erhöhen könnten. Den Berechnungen zufolge wird die Wahrscheinlichkeit für so extreme Hochwasserereignisse wie jenes von 2013 von derzeit einmal in 16 Jahren bis 2050 auf einmal alle zehn Jahre steigen.

Die Erhöhung der Kosten geht laut Forschern zu zwei Drittel auf das Konto des sozioökonomische Wachstums: Denn je mehr Gebäude und Infrastrukturen vorhanden sind, desto mehr kann durch Hochwasser zerstört werden. Für das restliche Drittel verantwortlich ist der Klimawandel, der die Niederschlagsmuster in Europa verändert.

Die Studie

"Increasing stress on disaster-risk finance due to large floods", Nature Climate Change (2.3.2014; doi:10.1038/nclimate2124).

Ö1-Sendungshinweis

Über diese Studie berichtet auch "Wissen aktuell", Mo, 3.3.2014, 13:55 Uhr.

"Hochwasser kennt keine politischen Grenzen"

In der Studie seien erstmals die überregionalen Abhängigkeiten von Hochwässern modelliert worden, sagt Co-Autor Stefan Hochrainer-Stigler vom Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA ) in Laxenburg bei Wien. Dass bei einem zunächst lokalen extremen Hochwasser mitunter auch andere Gebiete und Länder betroffen sind, wurde bei der Risikoeinschätzung bisher nicht berücksichtigt.

Das sei nicht zuletzt für Versicherungen interessant. Denn: "Ein Hochwasser kennt keine politischen Grenzen, Flüsse fließen quer durch Europa und stehen in Beziehung zueinander." Anders sei das beispielsweise bei Feuerversicherungen, wo es einmal hier, dann wieder dort brennt, aber praktisch nie großflächig.

In Bezug auf Überschwemmungen müsse man daher auf eine größere Belastung des Europäischen Solidaritätsfonds (EUSF) vorbereitet sein, so Hochrainer-Stigler. Der Fonds wurde 2002 von der EU-Kommission gegründet, um EU-Länder nach Naturkatastrophen rasch finanziell unterstützen zu können.

science.ORF.at/APA

Mehr zu diesem Thema: