Standort: science.ORF.at / Meldung: "Gletscher: Uralte Vegetation aufgetaucht"

Pasterze, 2.10.2011.  Auch sie hat 2011 wieder stark an Masse eingebüßt. Erst am 5.10. beendeten Schneefälle die Abschmelzung.

Gletscher: Uralte Vegetation aufgetaucht

Was des Glaziologen Leid ist des Geografen Freud: Die heimischen Gletscher befinden sich auf dem Rückzug - und geben damit Überreste längst vergangener Vegetationsperioden frei. Grazer Forscher haben nun Material aus dem Umkreis der Pasterze ausgewertet.

Umweltgeschichte 11.03.2014

Am größten österreichischen Gletscher, der Pasterze, deren Zunge auf rund 2.100 m Seehöhe endet, ist die Gletscherentwicklung der letzten rund 135 Jahre durch nahezu lückenlose Aufzeichnung dokumentiert, schildert Gerhard Lieb vom Institut für Geografie und Raumforschung an der Universität Graz.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Kellerer-Pirklbauer versucht er, weiter in die Geschichte der Gletscherregion und die klimatischen Veränderungen zurückblicken.

"Torf aus der Zeit 5.000 vor Christus"

Seit den 1990er-Jahren haben Forscher im Gletschervorfeld der Pasterze immer wieder prähistorische Torf- und Holzstücke geborgen. Insgesamt neun bis zu mehrere Kilogramm schwere Torfstücke wurden am Institut seither auf Reste von Pollen, Sporen und andere Pflanzenreste analysiert und mit C14-Untersuchungen im Alter bestimmt. "Die Fundstücke geben uns Einblick in die Zeit von 5000 bis etwa 1300 vor Christus", schilderte Kellerer-Pirklbauer. "Eines dieser Stücke verrät uns etwa 3.000 Jahre Vegetationsgeschichte der Pasterze."

"In diesem Zeitraum war der Gletscher wesentlich kleiner als heute, sonst hätte in diesem Bereich ja nichts wachsen können", erklärte der Grazer Wissenschaftler. Erst mit dem Anwachsen des Eiskörpers war ein Gletschervorstoß möglich, der die vorhandene Vegetation - u.a. Zirben, Lärchen, Wacholder, Grünerlen - "überfahren" hat. Die Torfstücke belegen, dass zwischen 7.300 und 3.300 Jahren vor heute Moorvegetation und Weideland im Bereich der heutigen Pasterze vorhanden waren.

Bei den früheren Torffunden handelte es sich immer um Stücke, die quasi als Geröll durch die Gletscherbewegung und Schmelzwasser bergab transportiert und letztlich gefunden wurden, weshalb ihr ursprünglicher Fundort nur vermutet werden konnte. 2012 wurde jedoch auch ein Torfprofil im Gletschervorfeld gemacht. Die erste Analyse zeigte mehr als 15 Lagen mit hohem organischem Anteil. Das Alter schätzen die Forscher auf 5.700 bis 6.700 Jahre.

science.ORF.at/APA

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