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Screenshot IPCC-Bericht: Summary for Policymakers

Weltklimabericht: Das große Feilschen

Der aktuelle Bericht des Weltklimarats (IPCC) lässt keine Zweifel an der Existenz der Erderwärmung und dem Einfluss des Menschen auf das Klima. Der endgültigen Formulierung ging allerdings ein nächtelanges Ringen zwischen Forschern und Politikern voraus.

IPCC 13.03.2014

"Diese Aussagen sind durchdiskutiert bis aufs Letzte, auch mit Regierungsvertretern, die das nicht gerne hören wollten", sagte Georg Kaser von der Universität Innsbruck gestern bei einer Veranstaltung des Wissenschaftsfonds FWF.

Über 800 Wissenschaftler aus 85 Ländern stellten für den fünften Weltklima-Bericht den derzeitigen Wissensstand zur Erderwärmung in drei Arbeitsgruppen zusammen. Die erste, an der Kaser beteiligt war, berichtete bereits im September auf 2.000 Seiten über die derzeitigen Erkenntnisse zu den physikalischen Grundlagen des Klimawandels.

136.706 Kommentare

Die zweite Arbeitsgruppe erörtert seine erwarteten Auswirkungen und die dritte, mit welchen Maßnahmen man den Klimawandel verlangsamen könnte. Zu den Wissenschaftlern letzterer Arbeitsgruppe, die ihre Arbeit erst im April veröffentlichen wird, zählt Helmut Haberl vom in Wien ansässigen Institut für soziale Ökologie der Universität Klagenfurt.

"Bei dem Bericht geht es darum, Handlungsoptionen so unverzerrt wie möglich darzustellen und Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen", erklärte er. Dazu würden die Entwürfe immer wieder von Experten und Regierungsvertretern begutachtet, und alle ihrer Vorschläge in den Bericht aufgenommen, wenn sie nicht den wissenschaftlichen Grundlagen widersprechen. "In Summe mussten die Autoren 136.706 Kommentare zu den verschiedenen Entwürfen verdauen", sagte Haberl.

Diplomatisches Ringen um Worte

Weil kein Politiker den 2.000 Seiten starken Bericht oder die Zusammenfassung von 90 Seiten lesen würde, verdichten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse noch einmal zu einer 22 Seiten schlanken "Zusammenfassung für Entscheidungsträger" ("Summary for Policymakers"), so Kaser.

Dieses "eigentlich relevante Papier" würde schließlich in vier Tagen mit den Politikern der 195 Mitgliedsstaaten der Weltorganisation für Meteorologie Wort für Wort durchdiskutiert und letztendlich von diesen angenommen. Er erzählte jedoch von vier Tage und Nächte langem, von außerordentlich diplomatischer Höflichkeit geprägtem Wortfeilschen zwischen Wissenschaftlern und Politikern, bei der in der letzten Nacht noch die Hälfte der Wörter auf dem Tapet standen. "Am Ende ist aber nichts drinnen gestanden, das nicht wissenschaftlich abgedeckt war", sagte er.

In dem Bericht der ersten Arbeitsgruppe würde nun definitiv erklärt, dass die Erwärmung des Klimasystems eindeutig sei und kein Zweifel mehr bestehe, dass der Mensch Treiber des Klimawandels ist. Genau so sicher seien sich die Experten, dass die Begrenzung des Klimawandels nur durch "substanzielle und nachhaltige" Reduktion der Emission von Treibhausgasen möglich ist, erläuterte Kaser.

science.ORF.at/APA

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