Standort: science.ORF.at / Meldung: "Bienensterben geht weiter"

Biene im Anflug auf eine Blüte.

Bienensterben geht weiter

Österreichs Bienen sind zwar vor einer potenziellen Gefahr geschützt, nachdem der Einsatz von Neonicotinoiden (Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid) vom Nationalrat ab Oktober 2013 mittels Teilverbot für drei Jahre untersagt wurde. Das Thema Bienensterben bleibt aber akut und auf der Tagesordnung von Imkern, Regierung und NGOs.

Umwelt 14.03.2014

Denn es drohen andere Pflanzenschutzmittel und Varroamilbe. Beides ist "bienengefährlich", die Wechselwirkung ist noch ungeklärt. Der milde Winter hat den Bestand der Varroamilbe heuer jedenfalls um eine Generation vorverlegt. Der Grund dafür war, dass die Bienen klimatisch bedingt durchgebrütet haben, berichtete Johann Gruscher, Präsident des Imkerbundes, im Gespräch mit der APA.

Verluste noch unklar

Wie hoch die Winterverluste konkret ausfallen werden, ließ sich aber noch nicht sagen. In der Saison 2012/13 verendeten laut Auswertung von Zoologen an der Universität Graz im Mittel 17,6 Prozent der eingewinterten Völker. 25.000 Imker und 380.000 Bienenvölker gab es laut Umweltministerium im Jahr 2012.

Verluste wurden für 2014 mancherorts in der Höhe von 20 bis 30 Prozent gemeldet, so Gruscher, der bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Anträge auf Zulassung mehrerer Bekämpfungsmittel eingereicht hat. Der aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Schädling in seiner Unterart "Korea-Typ" - 1983 erstmals in Österreich registriert - entwickelte sich zu einem immer größeren Problem für den heimischen Bienenbestand. Sowohl die Kosten für Präparate zu Bekämpfung des Bienenkillers wie auch die Arbeitsintensität für Imker hat sich erhöht.

Hinweis:

Global 2000 veranstaltet in Wien am 3. April eine zweitägige Bienenkonferenz namens "Meet The Bees", bei dem Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zum Thema sprechen werden. Thematisiert werden im Schloss Schönbrunn auch die Neonictotinide, bzw. ob deren Teilverbot ausreicht.

Und auch wenn der Einsatz der Neonicotinoide untersagt ist, im Boden sind die Mittel weiterhin, wenn auch in deutlich niedrigerer Konzentration, erläuterte Helmut Burtscher, Biochemiker bei Global 2000. So durfte etwa Raps im vergangenen Sommer noch mit den Mitteln behandelt werden. Dass die Winterverluste allein von den Milben ausgelöst werden, ließ Burtscher nicht gelten, denn es gäbe eine Wechselwirkung bezüglich der Anfälligkeit durch Krankheitserreger und den Pestiziden.

Eine Ansicht, die durch eine im Journal "PLOS ONE" publizierte Studie, die sich mit der EU-Honigindustrie auseinandergesetzt hat, geteilt wird. "Allerdings hat sich die Einschätzung des Einflusses von Pestiziden auf die Gesundheit der Bienen als hochkomplex herausgestellt und unterscheidet sich in den meisten Fällen von einer direkten akuten Vergiftung", hieß in der im vergangenen November veröffentlichten Untersuchung.

Illegale Pflanzenschutzmittel

Eine Gefahr für die Bienen sind illegale Pflanzenschutzmittel. Zuletzt warnte die Interessensvertretung IG Pflanzenschutz, dass laut Schätzungen der Europäischen Pflanzenschutzverbands (ECPA) bis zu zehn Prozent der in Europa eingesetzten Mittel dieser Art wären. Für Österreich dürften ähnliche Werte gelten.

Bei diesen Pflanzenschutzmitteln handelt es sich um Fälschungen mit ungeprüfter Zusammensetzung bzw. um eigenständige Produkte, die vorgeben, Pflanzenschutzmittel zu sein, aber minderwertige Stoffe enthalten. "Es zeigt sich, dass rund jeder zehnte Nachweis von Pestiziden (mit Ausnahme neonicotinoider Saatgutbeizen) ein in der gesamten EU verbotenes Pestizid betrifft", heißt es in einer der APA vorliegenden Stellungnahme von Global 2000, die sich auf die während der Neonictotinid-Debatte bekannt gewordene Melissa-Studie bezieht. Fünf in Österreich und der EU verbotene Pestizide wurden 2010 und 2011 in Proben von Bienen und dem in den Waben enthaltenen Bienenbrot nachgewiesen.

Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) wie auch NGOs sind weiterhin für die Biene tätig. Bereits im Regierungsprogramm wurde angekündigt, dass "ein wirksames und effizientes Bienenschutzprogramm" entwickelt werden soll. Mit Jahresbeginn erließ Rupprechter eine Sonderrichtlinie zur Imkereiförderung, die Imkern bis 2016 knapp fünf Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung stellt - bei 50 Prozent EU-Kofinanzierung. Dies entspricht einer Aufstockung um insgesamt 360.000 Euro im Vergleich zur vorigen Periode. Laut Umweltministerium werden im Laufe des Jahres weitere Schritte zugunsten der Bienen folgen.

science.ORF.at/APA

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