Standort: science.ORF.at / Meldung: "Forschungszentrum entschuldigt sich für Studie"

Mäuseembryo aus STAP-Zellen

Forschungszentrum entschuldigt sich für Studie

Nachdem "Nature" und Anfang dieser Woche einer der Koautoren ihre Zweifel an einer hochgelobten Forschungsarbeit zur Stammzellenforschung geäußert haben, meldet sich heute das renommierte japanische RIKEN-Zentrum zu Wort. Das Forschungsinstitut der Hauptautorin empfiehlt ebenfalls die Rücknahme der Studie.

Publikationsrücknahme 14.03.2014

Nach einer ersten Überprüfung der Untersuchung empfahl der Chef des RIKEN-Zentrums für Entwicklungsbiologie in Kobe, Chemie-Nobelpreisträger Ryoji Noyori, die Studie zurückzunehmen. Zugleich warnte er vor einem schweren Vertrauensverlust in die Forschung. Die Kritik zielt in erster Linie auf den Umgang mit den Daten, das Institut machte keine Angaben zur Gültigkeit der Ergebnisse.

"Schlampige" Auswertung

Auf einer Pressekonferenz entschuldigte sich Noyori für die Publikation der Studie in der renommierten Fachzeitschrift "Nature". Der Vorgang könne der "Glaubwürdigkeit der Wissenschaftsgemeinschaft schaden", sagte der Forscher, der 2001 den Nobelpreis erhielt. Der bei der Studie federführenden Wissenschaftlerin Haruko Obokata warf er "Schlampigkeit" vor. Die Jungforscherin war bei der Pressekonferenz nicht anwesend.

Die Wissenschaftler unter Führung der erst 30-jährigen Obokata hatten Anfang des Jahres in dem britischen Fachblatt unter anderem einen vergleichsweise einfachen Weg beschrieben, wie im Labor künstliches Gewebe erzeugt werden kann, indem zuvor Körperzellen von Mäusen in quasi-embryonale sogenannte STAP-Zellen zurückversetzt werden. Aus diesen gleichsam noch unspezifischen STAP-Zellen lasse sich Material für jeden Zelltyp züchten, hieß es.

Die Auswertung der "enormen Mengen an Forschungsdaten" sei von den Forschern mit "Schlampigkeit" erfolgt, sagte Noyori. Ein Vorwurf lautete, dass die Wissenschaftler zweifelhafte Fotos als wichtige Belege für die Studienergebnisse benutzt hätten. Die Bilder ähnelten denen, die Obokata bereits 2011 in ihrer Doktorarbeit genutzt hätte.

Mögliche Rücknahme

Das RIKEN-Institut, dessen Überprüfung der Arbeit andauert, kann die Studie nicht einseitig zurückziehen. Der Chef der Abteilung für Entwicklungsbiologie am RIKEN-Zentrum, Masatoshi Takeichi, räumte ein, dass ein solcher Schritt vom "Nature"-Magazin unter Zustimmung aller Mitautoren vollzogen werden müsse. Die Studie sollte seiner Meinung nach jedoch zurückgezogen und die Forschungsarbeit wiederholt werden.

Japanischen Medienberichten vom Freitag zufolge willigte Obokata bereits in die Rücknahme ein. In einer mit zwei Ko-Autoren gemeinsam unterzeichneten Erklärung der Wissenschaftlerin hieß es dann aber lediglich, das Trio "erwäge eine mögliche Rücknahme". Ein anderer Ko-Autor, Teruhiko Wakayama, von der Yamanashi Universität hatte sich Anfang der Woche bereits für einen Rückzug ausgesprochen, während Kollege Charles Vacanti, Gewebespezialist an der Havard Medical School, in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" dagegen war. "Nature" leitete eine eigene Untersuchung ein.

Auf der Stammzellenforschung ruhen große Hoffnungen im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und andere oft tödliche Leiden.

science.ORF.at/AFP

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