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Ein Bauer bringt Gülle aus.

"Landluft" kann gesundheitsschädlich sein

Lange galten Autos und Industrie als größte Feinstaubproduzenten. Eine neue Studie der ÖAW hat nun eine neue Gefahrenquelle identifiziert: die Landwirtschaft. Gase, die von Gülledünger abgesondert werden, verbinden sich in der Luft mit anderen Schadstoffen zu langlebigen Feinstoffpartikeln und belasten vor allem die Luftqualität in den Städten.

Feinstaub 25.03.2014

Bis zu 100 Prozent - so weit übersteigt die Feinstaubkonzentration den von der WHO vorgeschlagenen Jahresgrenzwert derzeit in Österreich. Die Feinstaubproblematik in österreichischen Großstädten ist bekannt, eine neue Studie der Kommission "Klima und Luftqualität" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) identifizierte nun jedoch neue Quellen für die Luftverschmutzung in Städten: die industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung.

Mehr als ein Drittel aus der Landwirtschaft

Eine Messserie in Wien, Graz und Linz hat gezeigt, dass nur 25 Prozent der Gesamtkonzentration des Feinstaubs in diesen Städten vom Verkehr ausgehen. Weitere 25 Prozent entstehen durch das Heizen mit Holzöfen. Der größte Teil, 30 bis 40 Prozent der Staubpartikel, bilden sich erst in der Atmosphäre und zwar in Kombination mit anderen Schadstoffen. "Das sind Gase, Schwefel und Stickoxide, aus Verbrennungsprozessen", erläutert Markus Amann vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg und Mitglied der Kommission. "Wenn diese Gase auf Ammoniak aus der Landwirtschaft treffen, dann bilden sich in der Luft sehr langlebige Feinstaubpartikel".

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen Aktuell am 25.3. um 13:55.

Güller nicht in die Luft spritzen

Wegen der Massentierhaltung und industriellen Landwirtschaft gibt es riesige Güllelager, die das Ammoniak frei setzen. Diesen chemischen Prozess zu unterbinden, wäre mit wenig Aufwand möglich, erläutert Markus Amann: "Man müsste die Güllelagerplätze einfach nur abdecken. Das ist weder aufwändig noch teuer. Es wird zum Teil bereits gemacht in Österreich, allerdings nicht flächendeckend". Ein weiteres Problem stellt die Gülleausbringung dar. Der Dünger sollte nicht mit dem Traktor in hohem Bogen über das Feld gespritzt werden, sondern bodennah aufgebracht oder in den Boden injiziert werden.

Im Bereich des Heizens empfiehlt die Kommission "Klima und Luftqualität" der ÖAW einen Umstieg von Holz- oder Hackschnitzelheizungen auf "Pellets". Wenn Holzpellets zum Heizen verwendet werden, entsteht um 90 Prozent weniger Feinstaub. Neue Biomasse-Zentralheizungsanlagen, etwa in Einfamilienhäusern, sollten deswegen unbedingt mit Pelletssystemen ausgestattet werden, betont Markus Amann.

Reaktion der Landwirtschaftskammer

Regelungen für Massentierhaltung bzw. Landwirtschaft und das Heizen mit Brennholz wären dringend notwendig, fordert die Kommission der ÖAW. Die steirische Landwirtschaftskammer hat bereits auf die Ergebnisse der ÖAW-Studie reagiert: Die Verantwortlichen halten die Daten in Bezug auf den Ammoniakausstoß in der Landwirtschaft für eine Fehlinterpretation. Die Steirische Landwirtschaftskammer bezieht sich in ihrer Argumentation auf Ergebnisse des Forschungsinstituts Agroscope, das zum Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft gehört. Demnach würde eine Ammoniakreduktion die Feinstaubbildung nicht in großen Ausmaß verringern.

EU-weite Regelungen

Regelungen für Holzheizungen und die Gülleausbringung in der Landwirtschaft werden für Österreich derzeit noch auf EU-Ebene verhandelt, genauso wie individuelle Vorgaben für die anderen europäischen Staaten. Von solchen europaweiten Regelungen würde Österreich auch indirekt profitieren: Die Emissionen in unseren östlichen Nachbarländern würden sich ebenfalls stark reduzieren. Damit würde sich die Luftqualität in Österreich auch nachhaltig verbessern. Die Kommission für "Klima und Luftqualität" kommt zu dem Schluss, dass die Feinstaubbelastung mit neuen Regulierungen für Holzheizungen und Landwirtschaft dauerhaft halbiert werden könnte.

Marlene Nowotny, Ö1 Wissenschaft

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