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Verschiedenes Obst und Gemüse

Obst und Gemüse statt Krebs und Herzinfarkt

Dass Obst und Gemüse gesund sind, ist nichts Neues. Das Ausmaß, das britische Forscherinnen errechnet haben, ist aber erstaunlich: Wer mehr als sieben Portionen frisches Obst und Gemüse pro Tag isst, senkt laut ihrer Studie das Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu Apfel- und Karottenverweigerern um 42 Prozent.

Ernährung 01.04.2014

Gemüse ist noch wirksamer als Obst, von Tiefkühl- oder Dosenvarianten raten die Forscherinnen hingegen ab.

Die Studie:

"Fruit and vegetable consumption and all-cause, cancer and CVD mortality: analysis of Health Survey for England data" von Oyinlola Oyebode und Kolleginnen ist am 31.3.2014 in "Journal of Epidemiology and Community Health" erschienen.

Weniger Krebs- und Herz-Kreislauf-Fälle

Das Team um Oyinlola Oyebode vom University College London untersuchte den Lebensstil von 65.000 Briten bzw. Britinnen. Sie waren mindestens 35 Jahre alt und wurden aus einer größeren Gesundheitsstudie zufällig ausgewählt. Über einen Zeitraum von siebeneinhalb Jahren verfolgten die Forscherinnen die Todesfälle der Gruppe.

Nachdem sie andere Faktoren wie Alter, soziale Herkunft, Gewicht, Erziehung, Alkohol- und, Zigarettenkonsum sowie Ausbildung und sportliche Betätigung herausgerechnet hatten, zeigte sich der drastische Zusammenhang: Sieben oder mehr Portionen Obst oder Gemüse pro Tag senken die Wahrscheinlichkeit eines Krebstodes um 25 Prozent; das Risiko, aufgrund einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben, um 31 Prozent.

Bei der Frage, was "eine Portion" ist, verwendeten die Forscherinnen die Definition des britischen Gesundheitsdienstes NHS. Ihr zufolge sind z.B. zwei Zwetschken, ein Apfel oder eine halbe Grapefruit eine Portion. Bei Gemüse braucht es dafür etwa drei gehäufte Esslöffel gekochter Karotten, eine fünf Zentimeter lange Gurke oder sieben Cherry-Tomaten. Erdäpfel oder andere stärkehaltige Knollen zählen dabei nicht.

Frisch ist am besten

Man muss aber nicht gleich zum "Grünzeug-Vielfraß" werden, um die gesundheitlichen Folgen zu spüren. Schon bei ein bis drei Portionen Obst oder Gemüse pro Tag senkt sich das Gesamt-Sterblichkeitsrisiko (im Vergleich zu jenen, die weniger als eine essen) um 14 Prozent, bei drei bis fünf Portionen sind es 29 Prozent und bei fünf bis sieben 36 Prozent.

Frisches Gemüse ist im Allgemeinen am besten für die Gesundheit. Zwei bis drei Karotten oder ähnliches pro Tag reduzieren das Sterblichkeitsrisiko um 19 Prozent, bei einer vergleichbaren Menge Obst sind es "nur" zehn Prozent.

Dosenobst ist kein Ersatz

Abgepackte Portionen können frische nicht ersetzen, betonen die Forscherinnen. Bei Fruchtsäften konnten sie keine gesundheitsförderliche Wirkung feststellen. Gefrorenes oder in Dosen angebotenes Obst oder Gemüse erhöht laut Studie sogar das Sterblichkeitsrisiko. Da diese beiden Formen von den Forscherinnen aber nicht unterschieden wurden, ist eine Interpretation schwierig.

Dosenobst ist in Europa verbreiteter als gefrorenes, insofern gehen sie davon aus, dass ersteres für den beobachteten Zusammenhang verantwortlich ist. "Obst aus Dosen enthält üblicherweise große Mengen Zucker. Billigere Varianten sind in Sirup statt in Fruchtwasser eingelegt", erklärt Oyinlola Oyebode in einer Aussendung. "Die negativen Gesundheitsauswirkungen des Zuckers könnten die Vorteile leicht überwiegen."

Eine andere Interpretationsmöglichkeit: Personen, die eher zu Dosenobst greifen, wohnen eher in sozial benachteiligten Gegenden, in denen es wenig frisches Obst und Gemüse gibt. Und das erhöhte Sterblichkeitsrisiko könnte mehr mit diesen sozioökonomischen Bedingungen zu tun haben als mit den Ernährungsgewohnheiten.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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