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Rekonstruktion eines Neandertalers.

Geerbt: Der Fettstoffwechsel des Neandertalers

Der Fettstoffwechsel von modernen europäischen Menschen ist vermutlich stärker von Neandertaler-Genen beeinflusst worden als der von Asiaten und Afrikanern. Europäer besitzen einer Studie zufolge dreimal mehr Neandertaler-Varianten in ihren am Fettabbau beteiligten Genen.

Genetik 01.04.2014

Rolle beim Aufbau des Gehirns

Die Studie in "Nature Communications":

"Neanderthal ancestry drives evolution of lipid catabolism in contemporary Europeans" von Ekaterina E. Khrameeva et al., erschienen am 1. April 2014. (sobald online)

Die Wissenschaftler vom Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und des CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai verglichen das Erbgut von elf lebenden Populationen afrikanischer, asiatischer und europäischer Abstammung und forschten dabei nach Neandertaler-Fragmenten.

Möglicherweise hätten jene Menschen mit Neandertaler-Varianten in den Genen einen selektiven Vorteil bei der Evolution gehabt, erläuterte MPI-Forscher Philipp Khaitovich. Welchen genau, das müsse noch erforscht werden.

Zudem untersuchten die Forscher, wie die Neandertaler-Varianten den Fettstoffwechsel beim modernen Menschen beeinflussen. Dabei fanden sie bei Menschen europäischer Abstammung evolutionäre Veränderungen in der Fettkonzentration und in der Bildung von Stoffwechselenzymen im Gehirn. "Wir wissen nicht, wie sich diese veränderte Fettkonzentration auf das Gehirn auswirkt. Aber schon die Tatsache, dass Neandertaler-Gene den Aufbau unseres Gehirns verändert haben könnten, ist äußerst interessant", erklärte Khaitovich.

Erst im Januar hatten zwei Studien ergeben, dass Neandertaler-Gene den Vorfahren moderner Menschen wahrscheinlich dabei geholfen hatte, sich an die kühlere Umgebung außerhalb Afrikas anzupassen. Demnach ist Neandertaler-Erbgut in heutigen Europäern und Ostasiaten insbesondere an jenen Stellen vorhanden, an denen Wachstum und Ausgestaltung von Haut und Haaren geregelt werden.

science.ORF.at/APA/dpa

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