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Nikola Tesla, abgebildet auf einer Banknote

Wem gehört Nikola Tesla?

Nikola Tesla gilt als einer der genialsten Technik-Erfinder der Geschichte. Obwohl er seine Entdeckungen in den USA machte, streiten sich Serbien und Kroatien. Wer hat mehr Rechte an dem Tüftler?

Wissenschaftsgeschichte 04.04.2014

Wem gehört die Asche?

Er wird mit Albert Einstein verglichen: Nikola Tesla (1856-1943), Wissenschaftsgenie und Inhaber von mehr als 700 weltweit gefeierten Technikpatenten. Neben dem Wechselstrom-Motor schuf er die Grundlagen für das Radio, die drahtlose Übertragung von Energie und die Tesla-Turbine ebenso wie für das Tachometer oder die Nutzung von Erdwärme. Röhrenverstärker, Neonlicht, Mikrowellen, Radar und Röntgenstrahlen sind mit seinem Namen verbunden.

Obwohl er seine bahnbrechenden Erfindungen fast nur in den USA schaffte, streiten sich mehr als 70 Jahre nach seinem Tod Serbien und Kroatien. In Kroatien liegt sein Geburtsort, das Dorf Smiljan bei Gospic, im Hinterland der Adriaküste. Aber sein Vater war ein serbisch-orthodoxer Geistlicher. Obwohl der Ausnahmewissenschaftler nur einen einzigen Tag in Serbien verbracht hatte, wird die Urne mit seiner Asche im Belgrader Tesla-Museum gezeigt.

Zu allem Überfluss gehörte Kroatien aber damals zum Habsburger Reich, so dass der Deutsch sprechende Tesla im Pass als "Alt-Österreicher" geführt wird. Vertrackt auch: Die Kroaten hatten im Bürgerkrieg (1992-1995) die Tesla-Statue in Gospic zerstört, weil der wegen seiner serbischen Herkunft in Ungnade gefallen war. Dennoch beschloss das kroatische Parlament in dieser Woche, dass der 10. Juli in Zukunft als "Tesla-Nationalfeiertag" begangen werden soll.

"Hände weg von Tesla"

Verwirrung auch in Serbien. Im März schlossen die Regierung und die mächtige Serbisch-Orthodoxe Kirche einen Vertrag, nach dem an diesem 10. Juli, also an Teslas Geburtstag, seine Urne vom heutigen Museum in die im Bau befindliche Kathedrale umgezogen werden soll. Dort werde "der größte Sohn Serbiens" seine Totenruhe finden. Dabei hatte sich Tesla zeitlebens nichts aus Religion und Kirche gemacht. Daneben gilt Serbiens Orthodoxie die Kremierung eines Toten als Sünde.

Zehntausende Serben liefen in den Sozialen Netzwerken unter dem Motto "Hände weg von Tesla" dagegen Sturm. Die geplante Umbettung der Urne sei "nichts anderes als Schande und Gesetzlosigkeit", kritisierte auch das wichtigste Nachrichtenmagazin NIN. Die Tesla-Asche war mit Zustimmung seiner kleinen Familie - er selbst hatte keine Kinder - 1957 aus den USA nach Serbien gebracht worden. Zu allem Unglück muss das Gebäude des in jener Zeit entstandenen Museums, das die Kommunisten enteignet hatten, jetzt wieder an die Erben der Besitzer zurückgegeben werden.

Der serbische Patriarch Irinej argumentiert, durch das geplante Tesla-Grab in der Kathedrale werde ein neuer Tourismusmagnet geschaffen. Das denkt sich auch Kroatien und wirbt schon an der Transitautobahn zur Küste, die im Sommer auch von Hunderttausenden ausländischen Urlaubern genutzt wird, für den Besuch der kleinen Tesla-Gedenkstätte in dessen Geburtsregion.

Vergessen ist heute, dass zu Lebzeiten des Genies in seiner Heimat niemand an ihn glauben wollte. Der wichtigste serbische Kulturverein (Matica Srpska) verweigerte das von Tesla beantragte Stipendium. An den Unis in Graz und Prag konnte der spätere Weltstar nicht die Studiengebühren bezahlen und wurde teilweise exmatrikuliert.

Der kroatische Journalist Boris Raseta, selbst mit serbischen Wurzeln, zitiert im Magazin NIN den Wissenschaftler so, dass sich alle Streitparteien darin wiederfinden können: "Ich bin stolz auf meine serbische Abstammung und mein kroatisches Vaterland. Hoch sollen alle Jugoslawen leben!" Gerade die Serben und Kroaten hatten aber zum Ende des jugoslawischen Vielvölkerstaates beigetragen.

Thomas Brey, dpa