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Entleerte Kunststoffdosen und diverse Tabletten.

Glucosamin verlängert das Leben von Mäusen

Der Aminozucker Glucosamin wird bei Gelenkserkrankungen schon länger als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Schweizer Forscher berichten nun von einer weiteren Wirkung: Bei Würmern und Mäusen wirkte der Zusatz lebensverlängernd.

Ernährung 09.04.2014

Bei der Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen raten Fachkollegen allerdings zur Vorsicht. Zwar haben frühere Studien schon auf eine ähnliche Wirkung hingewiesen, allerdings könnte es sein, dass Menschen, die Glucosamin einnehmen, generell gesünder leben. Der Leiter der aktuellen Studie, Michael Ristow von der ETH Zürich, hat aber dennoch beschlossen, das Nahrungsergänzungsmittel täglich einzunehmen.

Würmer und Mäuse lebten länger

Die Studie:

"D-Glucosamine supplementation extends
life span of nematodes and of ageing mice" erscheint am 8. April 2014 in "Nature Communications" (DOI:10.1038/ncomms4563).

Glucosamin wird vor allem bei Gelenkserkrankungen wie Arthrose als Nahrungsergänzung empfohlen. Es soll nicht nur schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken, sondern auch die Knorpelsubstanz schützen und bei der Regeneration helfen.

Das Team um den auf Energiestoffwechsel spezialisierten Michael Ristow wusste schon aus einer früheren Studie, dass Fadenwürmer länger leben, wenn sie zusätzlich zum Standardfutter auch Glucosamin verabreicht bekamen - zwar nur um fünf Prozent, aber immerhin. In der nun publizierten Studie weiteten die Forscher ihre Versuche auf im Schnitt 100 Wochen alte Mäuse aus, was laut "Nature" einem Menschenalter von rund 65 Jahren entspricht. Im Vergleich zur Kontrollgruppe lebten die Mäuse mit Glucosamin im Futter um zehn Prozent länger, und auch ihre Blutzuckerwerte waren besser.

Simulierte Low-Carb-Diät

Die Erklärung liegt laut Studie in der Wirkung, die das Zusatzmittel auf Kohlenhydrate hat: Demnach behindert es ihre Verstoffwechslung, weshalb in erster Linie Fette und Eiweiße metabolisiert werden. Dadurch werde dem Körper eine Low-Carb-Diät vorgespielt, und das könnte wohl auch den lebensverlängernden Effekt haben, meinen die Forscher.

Hinweise auf eine lebensverlängernde Wirkung gebe es auch beim Menschen, allerdings fehlen Studien, um den kausalen Zusammenhang zwischen Glucosamin-Einnahme und Lebensdauer stichfest nachzuweisen, räumt Michael Ristow auf Nachfrage ein. Er selbst habe sich dennoch entschlossen, das Zusatzmittel in sein Essen zu mischen: "Eine Menge von fünf bis 10 Gramm pro Tag würde ich empfehlen."

Der Epidemiologie Tim Spector vom King's College in London rät in einer Stellungnahme gegenüber "Nature" aber zu Vorsicht: "Menschen sind nicht das gleiche wie Fadenwürmer und Nagetiere." Weitere Studien seien nötig, bevor seriöse Empfehlungen ausgesprochen werden könnten.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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