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Globus: Temperaturverteilung im Pazifik zeigt ein El-Niño-Phänomen

El Niño: "Es braut sich etwas zusammen"

Wenn der tropische Pazifik über Monate hinweg besonders warm ist, sprechen Klimaforscher von einem El-Niño-Ereignis. Das Phänomen bestimmt die Niederschläge in Asien und gilt als "Schrittmacher für das Weltklima". Ob 2014 ein El-Niño-Jahr wird, ist noch nicht fix, aber wahrscheinlich.

Klima 02.05.2014

2009 war El Niño das letzte Mal da. Der Name leitet sich vom spanischen Ausdruck für Kind, eigentlich Christuskind ab, weil das Phänomen oft in den Wintermonaten auftritt. Jedenfalls wäre es wieder einmal Zeit, dass die tropische Klimaschaukel in Schwung kommt: Denn statistisch betrachtet ist der Pazifik alle vier bis fünf Jahre überdurchschnittlich warm.

Laut der amerikanischen Ozeanforschungsbehörde NOAA deuten die Messdaten zumindest auf ein neuerliches El-Niño-Phänomen hin. "Im Pazifik braut sich etwas zusammen", twitterten die US-Forscher kürzlich.

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell", 2.5.2014, 13:55 Uhr.

Wassertemperatur steigt

Das sieht auch Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik so: "Die derzeitigen Messwerte zeigen, dass sich ein El Niño im kommenden Sommer bzw. im kommenden Winter entwickeln könnte. Derzeit steigt im äquatorialen Pazifikraum die Meeresoberflächentemperatur. Ein weiterer Punkt, der für einen El Niño spricht, dass sich die Südost- bzw. Nordost-Passate etwas abschwächen. Und das bedeutet, dass der Windschub an der Meeresoberfläche nachlässt und das warme Wasser vom Westpazifik in den Ostpazifik hinüberschwappen könnte."

Sollte 2014 ein El-Niño-Jahr werden, würde das in Südostasien für Trockenheit, in Südamerika indes für starke Niederschläge sorgen. Europa wird, wenn überhaupt, von dem Phänomen nur indirekt betroffen sein.

"Rechne mit Rekordtemperatur"

Da das warme Wasser im Pazifik Wärmeenergie an die Atmosphäre abgibt, klettert die globale Lufttemperatur nach El Niño-Phasen in der Regel nach oben, neue Temperaturrekorde im Folgejahr sind nicht ausgeschlossen.

"Ich persönlich rechne schon nach dem nächsten El-Niño-Ereignis mit einer neuen globalen Rekordtemperatur. Wenn es diesen Herbst schon einen El Niño gibt, dann bereits im Jahr 2015", sagte der deutsche Ozeanforscher Stefan Rahmstorf bereits im Februar gegenüber science.ORF.at. Das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war 2010 gefolgt von 2005.

Robert Czepel, science.ORF.at

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