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Plastikfolie schwimmt im Meer.

Meeresboden: Der Müll ist überall

Unser Abfall eilt uns selbst in die Tiefseegräben voraus. Bei einer weiträumigen Untersuchung des Meeresbodens rund um Europa fanden Wissenschaftler an allen untersuchten Stellen Müll.

Umwelt 01.05.2014

Die Forscher um Christopher Pham von der Universität der Azoren in Horta, Portugal, nutzten für ihre Untersuchung fast 600 Bild- und Videoaufzeichnungen sowie Grundschleppnetzfänge von 32 verschiedenen Stellen des Meeresbodens im Atlantik und im Mittelmeer.

An all diesen Stellen lag Müll: von den flachen Küstenregionen bis zu 4.500 Meter tiefen Tiefseegräben, und selbst am 2.000 Kilometer von der Küste entfernten Mittelatlantischen Rücken.

Die Studie

"Marine Litter Distribution and Density in European Seas, from the Shelves to Deep Basins", PLoS ONE (30.4.2014; doi: 10.1371/journal.pone.0095839).

Plastik, Netze, Glas, Metall

Die höchste Mülldichte fanden die Wissenschaftler in unterseeischen Gräben wie beim Lisbon Canyon vor der Küste Portugals. Das liegt unter Umständen daran, dass diese Gräben oft flache Küstengewässer mit der Tiefsee verbinden. Durch sie treibt der Mist von den Küsten in tiefere und weiter abgelegene Regionen.

Müll auf dem Meeresboden

Pham CK et al. doi:10.1371/journal.pone.0095839

Fundstücke aus dem Meer

Plastik, vor allem Flaschen und Säcke, stellt mit 41 Prozent den Großteil des gefundenen Abfalls. Ein weiteres Drittel besteht aus Fischereimüll wie Netzen und Leinen. Zudem fanden Pham und seine Kollegen Glas, Metall, Holz und Papier, aber auch Keramik und zahlreiche unidentifizierte Gegenstände. "Wir waren sehr überrascht zu sehen, wie weit sich unser Müll in den Meeren schon verbreitet hat", sagt Co-Autorin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven.

"Wir waren schockiert"

"Die große Menge an Müll, die den Tiefseeboden erreicht, ist ein ernstes weltweites Problem", erklärt Pham. "Unsere Ergebnisse unterstreichen das Ausmaß dieses Problems und zeigen die Notwendigkeit, Maßnahmen gegen eine weitere Anreicherung von Müll im Meer zu ergreifen." Mitautor Kerry Howell von der Universität Plymouth, Großbritannien, fügt hinzu: "Der größte Teil der Tiefsee ist vom Menschen noch unerforscht, und viele Stellen haben wir zum ersten Mal besucht. Wir waren schockiert zu sehen, dass unser Müll schon vor uns da war."

Nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Dieser gefährdet die Umwelt in vielerlei Weise: Tiere, insbesondere Meeressäuger, Schildkröten und Vögel, können sterben, wenn sie den Müll fressen oder sich darin verfangen. Die Meeresverschmutzung kann auch zur Freisetzung giftiger Substanzen oder zur Ausbreitung gebietsfremder Arten führen.

science.ORF.at/dpa

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