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Neandertaler im Businessanzug, Rekonstruktion des Neanderthal Museum in Mettmann

Neandertaler war uns ebenbürtig

Zwei Paläontologen rütteln an der weitverbreiteten These, der Neandertaler sei modernen Menschen unterlegen gewesen und auch deshalb ausgestorben. Nach einem genauen Blick auf frühere Untersuchungen habe der Homo sapiens keine maßgeblichen Vorteile gehabt.

Paläontologie 30.04.2014

Konkurrenz aus Afrika

Die Studie in "PLOS ONE":

"Neandertal Demise: An Archaeological Analysis of the Modern Human Superiority Complex" von Paola Villa et al., erschienen am 30. April 2014.

Der moderne Mensch war vor etwa 40.000 Jahren aus Afrika in das bereits von Neandertalern besiedelte Europa eingewandert. Nach dem heutigen Wissensstand hatten die beiden Frühmenschen gelegentlich gemeinsame Kinder - noch heute sind Neandertaler-Gene beim Menschen nachweisbar. Einige Tausend Jahre später war der Neandertaler aber verschwunden.

Bisher gingen viele Wissenschaftler aufgrund von archäologischen Funden davon aus, dass Homo sapiens auf dem afrikanischen Kontinent besondere Fähigkeiten erworben hatte und seinen Vettern aus Europa überlegen war. Er soll unter anderem in einer ausgefeilteren Sprache kommuniziert und bessere Waffen sowie im Gegensatz zum Neandertaler Tierfallen genutzt haben. Außerdem seien die sogenannten modernen Menschen insgesamt innovativer und auch vernetzter gewesen.

Zahlenmäßige Überlegenheit

Doch die Forscher Paola Villa von der Universität von Colorado in Boulder und Wil Roebroeks von der niederländischen Universität Leiden haben Zweifel. Sie nahmen frühere Studien genauer unter die Lupe und überprüften, ob daraus die Überlegenheit des Homo sapiens geschlussfolgert werden kann. "Wir haben keine Beweise gefunden, dass die (...) Erklärungen von fundierten archäologischen Daten gedeckt sind", schreiben die Autoren.

So seien zwar beispielsweise sowohl bei Homo sapiens als auch beim Neandertaler Malereien und Schmuck entdeckt worden. Doch nur beim modernen Menschen hätten Autoren früherer Studien von diesen Funden über Umwege auf eine komplexe Sprache geschlossen. Auch die Annahme, Neandertaler seien die schlechteren Jäger gewesen, ist laut der Studie nicht haltbar. Es gebe schlicht keine Beweise dafür. Stattdessen habe auch der Neandertaler Großwild gejagt. Auch gebe es Zweifel daran, dass der Mensch innovativer gewesen sei.

Die beiden Forscher gehen mit ihren Kollegen deshalb hart ins Gericht: Alle von ihnen geprüften Erklärungen seien "fehlerhaft". Sie basierten auf veralteten Daten und seien teilweise das Ergebnis starrer Denkweisen. Villa und Roebroeks meinen daher, das Aussterben des Neandertalers sei nicht mit einer Überlegenheit des modernen Menschen zu begründen.

Die beiden Forscher halten es für wahrscheinlicher, dass die Neandertaler im modernen Menschen aufgingen, als sie sich mit diesem paarten. Der moderne Mensch sei zahlenmäßig so überlegen gewesen, dass die Neandertaler-Gene größtenteils verdrängt worden seien.

science.ORF.at/APA/dpa

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