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Perito-Moreno-Gletscher, Argentinien

Komplette Vermessung der Gletscherwelt

Ein neues Register aller Gletscher weltweit soll die Auswirkungen des Klimawandels auf die Eismassen abschätzen helfen. Im Randolph Gletscher Inventar (RGI) sind mittlerweile so gut wie alle Gletscher der Erde kartiert und in computerlesbare Form übertragen.

Umwelt 07.05.2014

"Endlich wissen wir, wie viele Gletscher es auf der Erde gibt, wo sie sich befinden, wie groß sie sind und wie viel Eis in ihnen gespeichert ist", sagt Mitinitiator Georg Kaser von der Universität Innsbruck.

Die Studie

"The Randolph Glacier Inventory: a globally complete inventory of glaciers", Journal of Glaciology (2014; Bd. 60, Nr. 221).

Ö1 Sendungshinweis:

Einen Beitrag zum Thema sendete auch "Wissen Aktuell" am 7. Mai 2014 um 13.55 Uhr.

Insgesamt bedecken die rund 200.000 Gletscher der Erde (ohne die Eisschilde Grönlands und der Antarktis) eine Fläche von etwa 730.000 Quadratkilometern und haben ein Volumen von rund 170.000 Kubikkilometer. "Damit wurde die genaue Modellierung der Gletscherreaktion auf Klimaänderungen stark verbessert", erklärt Kaser.

Ein Prozent der globalen Eismasse

Der kürzlich veröffentlichte 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) sei der Hauptgrund für die Vervollständigung des Inventars gewesen. Zahlreiche Studien, die eine erste Version des Gletscherinventars verwendet hatten, hätten entscheidende Beiträge zu diesem Bericht geliefert. Die gesamte Gletscherfläche der Erde sei etwa so groß wie Deutschland, Dänemark und Polen zusammengenommen. Das in den Gletschern gespeicherte Eis enthalte zwischen 35 und 47 Zentimeter Meeresspiegeläquivalent an Wasser, das heißt, der Meeresspiegel würde um diesen Betrag steigen, wenn alle Gletscher komplett schmelzen würden.

Das sei weniger als die bisher angenommenen rund 60 Zentimeter und mache weniger als ein Prozent jener Eismasse aus, die in den Eisschilden Grönlands und der Antarktis gespeichert sei, hieß es. Allerdings seien die Gletscher dem globalen Temperaturanstieg sehr viel stärker ausgesetzt als die Eisschilde, da sich das Eis der Gletscher generell bereits am Schmelzpunkt befinde, während das Eis der Eisschilde erst erwärmt werden müsse. Die Gletscher würden daher zurzeit etwa ein Drittel zum beobachteten Meeresspiegelanstieg beitragen. Der Rest gehe auf das Konto der thermischen Ausdehnung des Meerwassers.

Das Randolph Gletscher Inventar basiert auf der gemeinsamen Arbeit von 74 Wissenschaftlern aus 18 Ländern.

science.ORF.at/dpa/APA

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