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Ein Seniorengymnastiker übt am Barren

Händedruck zeigt das Alter an

"Gib mir deine Hand, und ich sage dir, wie alt du wirst." So könnte man das Ergebnis einer aktuellen Studie zusammenfassen. Die Stärke des Händedrucks zeigt offenbar das biologische Alter von Menschen über 60 an.

Gesundheit 08.05.2014

"Das Alter nach Lebensjahren ist ein sehr ungenaues Maß", sagt Sergei Scherbov, Demograph am Laxenburger Institut für Systemanalyse (IIASA). "Denn erstens ist das biologische Alter vom Lebensstil abhängig und zweitens ändern sich die Bedingungen im Laufe der Zeit. Denken sie an einen 65-Jährigen: Vor 150 Jahren war das ein Greis, heutzutage ist das eine Person mittleren Alters."

Die Studie

"Measuring the Speed of Aging Across Population Subgroups", PLoS ONE (7.5.2014).

Die Lebenserwartung messen

In gewisser Weise bestätigt die Forschung den alten Spruch, man sei eben so alt, wie man sich fühle. Nur: Wie soll man das messen? In den letzten Jahren haben Mediziner alle erdenklichen Alternativen zum "chronologischen Alter" vorgeschlagen, um die körperliche Verfassung von älteren Menschen darzustellen. Viele davon sind kurios, aber sie scheinen zu funktionieren: Das Gehtempo, die Balance beim Stehen oder die Geschwindigkeit, mit der man sich vom Sessel erhebt - all diese Größen sind offenbar Anzeiger der Jugendlichkeit in fortgeschrittenem (respektive "mittleren") Alter.

Als besonders tauglich hat sich in dieser Hinsicht die Stärke des Händedrucks erwiesen. Wer Kraft in den Händen hat, ist in der Regel noch fit und sollte, so das zutrifft, auch länger leben. Sergei Scherbov hat das nun überprüft. Er hat mit seinem Kollegen Warren Sanderson von der Stony Brook University, New York, Gesundheitsdaten US-amerikanischer Senioren ausgewertet - und kommt zu dem Schluss: Der Händedruck ist nicht nur ein verlässlicher Anzeiger der Lebenserwartung, er sagt auch etwas über den geistigen Zustand von Senioren und über deren Regenerationsfähigkeit nach Krankheiten aus.

Was überrascht - sollte der Beruf die Daten nicht verzerren? Müssten nicht Bauarbeiter einen deutlich stärkeren Händedruck haben als Menschen, die ihr Leben lang im Büro verbracht haben? "Das habe ich mir zu Beginn auch gedacht", sagt Scherbov. "Und im jugendlichen Alter ist das wohl auch so. Nur dreht sich der Zusammenhang später um. Ehemalige Bauarbeiter sind als Senioren zumeist stärker verbraucht als ehemalige Angestellte und haben daher auch weniger Kraft in den Händen."

Bildung verlängert das Leben

Wie Scherbov und Sanderson im Fachblatt "PLoS ONE" schreiben, spielt der Faktor Bildung eine bedeutende Rolle. 65-Jährige Frauen mit niedrigem Bildungsniveau hatten die gleiche Handkraft wie 69-Jährige mit einem hohen. Ähnlich der Zusammenhang bei Männern.

Scherbovs Erklärung: "Wer an der Universität war, hat in der Regel einen gesünderen Lebensstil, treibt Sport und ernährt sich vernünftig. Das schlägt sich auch in Statistiken nieder, gebildete Menschen leben länger." Analysen wie jene von Scherbov sind vor allem für die Voraussage der Bevölkerungsentwicklung wichtig. Denn die Lebenserwartung steigt weiterhin. Laut UN-Prognosen ist das Ende der Fahnenstange auch in westlichen Industrieländern noch nicht erreicht.

Robert Czepel, science.ORF.at

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