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Mutter stillt ihr Kind im Bett

"Bonding" auch nach Kaiserschnitt

Fast ein Drittel der Babys in Österreich kommt durch Kaiserschnitt auf die Welt - ein operativer Eingriff, der oftmals wegen der negativen Auswirkung auf die Mutter-Kind-Beziehung kritisiert wird. In einem Wiener Krankenhaus sorgen Hebammen dafür, dass die Nähe zwischen Mutter und Baby auch bei einem Kaiserschnitt zustande kommt.

Medizin 09.05.2014

Unmittelbar nach der Geburt findet eine wichtige Phase bei Mutter und Kind statt. Diese prägende Bindungsphase wird Bonding genannt. Dabei wird das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt auf den Bauch oder die Brust der Mutter gelegt.

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Bei der normalen Geburt ist dieses "Bonding" längst üblich, bei einem Kaiserschnitt allerdings nicht, sagt die leitende Hebamme Nina Pacic vom Krankenhaus Göttlicher Heiland in Wien. Die Mitarbeiterinnen der Geburtshilfe haben das "Bonding" nun auch im Operationssaal eingeführt.

"Die Hebamme hat während der Operation eine einzigartige Rolle. Sie unterstützt die Mutter im gesamten Operationsverlauf, sodass sie die Geburt auch bei einem Kaiserschnitt als Geburtserfahrung wahrnehmen kann", sagt Nina Pacic im Ö1-Radio.

Bindungshormone werden ausgeschüttet

Gleich nach der Geburt führt die Hebamme die Erstversorgung des Babys durch und legt es danach auf die Brust der Mutter. Das sorgt für Geborgenheit und Entspannung nach der Geburt. Unterstützt durch das Bindungshormon Oxytocin, das nach der Geburt bei Mutter und Kind vermehrt ausgeschüttet wird. Ohne Hautkontakt wird nur wenig Oxytocin ausgeschüttet und das Zusammengehörigkeitsgefühl ist schwächer, sagt die Hebamme Nina Pacic. Auch das Stillen wird durch das "Bonding" gefördert.

"Wir haben oft beobachtet, dass der Stillreflex beim Kind gefördert wird, wenn es schon im Hautkontakt mit der Mutter war. Dazu kriegen Frauen schneller Muttermilch, die Kinder haben weniger Gewichtsverlust", so Pacic.

Durch das Bonding sinkt die Rate der Stillprobleme um fast die Hälfte, sagt die Hebamme. Und die Frauen erholen sich auch schneller von den Strapazen der Geburt, wenn sie das Baby schon während der Operation bei sich haben können.

Edith Bachkönig, Ö1 Wissenschaft

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