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Heuschrecke auf der Hand eines Mannes

"Heuschrecken schmecken am besten"

In der niederländischen Gemeinde Ede diskutieren seit heute Hunderte Wissenschaftler über das Thema "Welternährung durch Insekten". Tenor der Tagung: Insekten wären eine exzellente Proteinquelle mit ebenso guter Ökobilanz.

Ernährung 14.05.2014

"Natürlich habe ich schon Insekten gegessen. Heuschrecken und Grillen kann ich definitiv empfehlen. Am besten schmecken sie frittiert", sagt Arnold van Huis, Organisator des Fachkogresses "Insects to feed the world".

Der Insektenforscher von der Universität Wageningen gehört zu den wenigen Wissenschaftlern, die ihre Untersuchungsobjekte mitunter aufessen - die Neigung zum kulinarischen Experiment hat allerdings einen ernsten Hintergrund: 70 Prozent aller landwirtschaftlichen Anbauflächen werden mittlerweile für Futtermittel genutzt. Und der Weltverbrauch von Fleisch wird sich Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2050 verdoppeln.

Aus diesem Grund suchen Forscher nach alternativen Proteinquellen. "Insekten sind im Vergleich zu Rindern etwa zehn Mal so effizient, wenn es um die Umwandlung von Futter in Körpermasse geht. Das hat möglicherweise damit zu tun, dass sie wechselwarme Tiere sind", sagt van Huis. "Sie produzieren wenig Treibhausgase, verbrauchen kaum Land und sind sehr genügsam. Manche Arten kann man mit buchstäblich allem füttern."

Ö1-Sendungshinweis

Über dieses Thema berichtet heute auch "Wissen aktuell", 14.5.2014, 13:55 Uhr.

Käfer, Raupen und Termiten

Freilich ist nicht erst die Wissenschaft auf die Idee gekommen, die tägliche Nährstoffbilanz mit Insekten anzureichern. In Entwicklungsländern Amerikas, Asiens und insbesondere Afrikas ist der Konsum schon lange gängige Praxis.

Derzeit sind etwa 2.000 Arten als genießbar bekannt, in der Mehrzahl Käfer bzw. Käferlarven. Beliebt sind auch Raupen, Libellenlarven sowie Termiten ("köstlich", sagt van Huis) . Selbst giftige Tiere werden in manchen Ländern gegessen. In Japan etwa gelten Hornissen als Delikatesse - sofern fachgerecht zubereitet, denn das Gift muss beim Kochen neutralisiert werden.

Schokokekse mit Heuschreckenbelag

FAO

Süßspeise für Motivierte: Heuschrecken auf Schokoplätzchen

Der niederländische Forscher preist im Gespräch mit science.ORF.at noch weitere Vorteile der "Entomophagie" an (wie der Insektenverzehr akademisch heißt): "Eine Milliarde Menschen, vor allem Schwangere und Kleinkinder, leiden weltweit unter Eisenmangel. Auch hier bieten sich Insekten an, da sie viel Zink und Eisen enthalten. Und man könnte sie als Tierfutter verwenden: Denn die Ozeane sind leergefischt und Fischmehl wird immer teurer."

Kochbuch im Universitätsverlag

Aus ökologischer Sicht scheint wohl so manches dafür zu sprechen, auch in westlichen Industriestaaten von Rind und Schwein auf Raupe und Grashüpfer umzusteigen. Um den Bedarf zu decken, müssten Insekten dann im großen Stil gezüchtet werden. Sie - wie derzeit üblich - meist der freien Natur zu entnehmen, "würde den Bedarf nicht decken", gesteht van Huis zu.

Im Konjunktiv, wohlgemerkt: Denn ob sich Konsumenten durch wissenschaftliche Argumente zum Biss in das Kerbtier motivieren lassen, ist natürlich eine andere Frage. Vielleicht bringt der Kongress in Ede entsprechende Antworten. Mutigen sei jedenfalls eine Neuerscheinung bei "Columbia University Press" empfohlen. Im "Insect Cookbook" hat van Huis mit zwei Kollegen die besten Rezepte für Tiere mit sechs Beinen zusammengestellt.

Robert Czepel, science.ORF.at

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