Standort: science.ORF.at / Meldung: "Weniger Schnee, seichtere Flüsse"

Der Mount Shasta in Kalifornien, aufgenommen im Dezember 2006

Weniger Schnee, seichtere Flüsse

Mit zunehmender Erderwärmung fallen immer weniger Niederschläge in Form von Schnee. Forschern zufolge reduziert das auch die Wassermenge in Flüssen, was wiederum weitreichende Folgen für Wasserversorgung und Energieproduktion haben könnte - auch in Österreich.

Klimawandel 19.05.2014

Abflussmenge schrumpft

Die Studie in "Nature Climate Change":

"A precipitation shift from snow towards rain leads to a decrease in streamflow" von W. R. Berghuijs et al., erschienen am 18. Mai 2014.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtet auch "Wissen Aktuell" am 19. Mai 2014 um 13.55 Uhr.

Bisher dachte man, es sei für die Abflussmenge in Flüssen völlig unerheblich, in welcher Form Niederschläge fallen, also als Regen oder als Schnee, solange die Menge die gleiche bleibt. Die Studie der Forscher um Wouter Berghuijs von der University of Bristol kommt nun zum gegenteiligen Schluss.

Dafür haben sie den Einfluss der Niederschlagsart in 420 Flusseinzugsgebieten in allen klimatischen Regionen der USA untersucht. Für diese existieren genügend historische Datenreihen zu Temperatur, Niederschlägen und Abflussmengen. D.h., die Forscher konnten ohne zusätzliche Zuhilfenahme von Modellen arbeiten.

Die Auswertung der Daten über den Zeitraum von 1948 bis 2001 kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Eine Temperaturzunahme um zwei Grad Celsius führt im Mittel zu einem dreißigprozentigen Rückgang der Schneemenge. Die Abflussmenge geht bei ebendieser Erwärmung um zehn Prozent zurück, und das bei gleichbleibender Gesamtwassermenge, wie der österreichische Koautor Markus Hrachowitz von der Technischen Universität Delfst auf Anfrage erklärt hat.

Spürbare Folgen

Die Folgen des Rückgangs könnten manche Länder erheblich spüren. Laut den Forschern hängt zum Beispiel die Wasserversorgung eines Sechstels der Weltbevölkerung von Schmelzwasser ab. Auch in Österreich ist es für die Energiegewinnung in den zahlreichen Wasserkraftwerken zentral.

Laut Hrachowitz sind die Studienergebnisse durchaus übertragbar. "Die Flusseinzugsgebiete decken so ziemlich alle klimatischen Regionen der USA ab. Daher ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse hierzulande die gleichen wären", wie er gegenüber science.ORF.at erklärt hat.

Bleibt die Frage: Wo kommt das Wasser denn eigentlich hin? "Darüber kann man vorerst nur spekulieren", so Hrachowitz. Am wahrscheinlichsten ist es aber, dass es wieder in den atmosphärischen Wasserkreislauf zurückkehrt, also entweder direkt verdampft oder von Pflanzen in die Luft abgegeben wird.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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