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Fische im Netz

Schleppnetze könnten Tiefsee zu Wüste machen

Scholle, Seezunge, Garnele: Bei der Jagd auf Tiere, die am Meeresboden leben, kommen häufig Grundschleppnetze zum Einsatz. Eine internationale Studie zeigt nun: Wo mit dieser Methode gefischt wird, gibt es deutlich weniger organisches Material und kleinere Lebewesen auf dem Meeresgrund. Auch die Artenvielfalt ist dort geringer.

Meeresbiologie 20.05.2014

Das Team um Antonio Pusceddu von der Universität Anconca untersuchte einen submarinen Canyon vor der Nordostküste Spaniens. In ihrer Studie sprechen die Forscher davon, dass der Einsatz von Grundschleppnetzen den Meeresboden zu Wüsten machen könnte.

Extrem schwere Scheerbretter

Die Studie:

"Chronic and intensive bottom trawling impairs deep-sea biodiversity and ecosystem functioning" erscheint am 19. Mai 2014 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI: 10.1073/pnas.1405454111).

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtete auch "Wissen Aktuell" am 20. Mai 2014 um 13.55 Uhr.

Die Fischerei mit Grundschleppnetzen ist ein weltweit verbreitetes Verfahren zum Fang von Meerestieren wie Schollen, Seezungen oder Garnelen. Die Methode hat viele Kritiker, da bei ihrem Einsatz Meeresboden zerstört und darauf lebende Wesen vernichtet werden.

Grundschleppnetze bestehen aus einem trichterförmigen Fangsack, der von einem oder mehreren Schiffen gezogen wird. Die maulartige Öffnung des Netzes wird über unten liegende Gewichte und oben befindliche Schwimmkörper erzeugt.

Beim Typ der Scherbrett-Grundschleppnetze befindet sich auf der Unterseite des Eingangs ein Grundtau, das über den Meeresboden gezogen wird. Zwei seitliche Scheerbretter ziehen das Netz auseinander. Diese Bretter sind extrem schwer und können Furchen in den Boden ziehen, wodurch Sediment aufgewirbelt wird.

Weniger Artenvielfalt

In ihrer Studie untersuchten die Forscher den 40 Kilometer langen unterseeischen Canyon La Fonera. Fast täglich fahren hier Schiffe hinaus, um Afrikanische Tiefsee-Garnelen (Aristeus antennatus) zu erbeuten. Die Grundschleppnetz-Fischerei findet fast nur entlang der Nordseite des Canyons statt, die Südseite wird nur teilweise derartig befischt. Die Wissenschaftler verglichen nun den Zustand des Meeresbodens der mit Grundschleppnetzen befischten Regionen mit dem der unbefischten Areale.

Die Analysen zeigten, dass das Sediment in den befischten Gebieten deutlich weniger organisches Material enthält und eine geringere Meiofauna - also kleine Bodenlebewesen - aufweist. Auch die Artenvielfalt war dort geringer. So kamen in den befischten Sedimenten etwa weniger Fadenwurm-Spezies vor.

Nach Angaben der Forscher sind die Auswirkungen der Grundschleppnetz-Fischerei auf das Tiefsee-Ökosystem vergleichbar mit den "katastrophalen Effekten" der Bodenabtragung, die der Mensch beschleunigt.

science.ORF.at/APA/dpa

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