Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der WM-Ball flattert nicht"

Der WM-Ball Brazuca liegt auf einem Spielfeld

Der WM-Ball flattert nicht

Sollten bei der kommenden Fußballweltmeisterschaft viele Schützen das Tor verfehlen, dann liegt es sehr wahrscheinlich nicht am Ball. Exakte Versuche im Windkanal und mit einem Schießroboter zeigen: Im Vergleich zu anderen Turnierbällen der vergangenen Jahre hat der aktuelle WM-Ball namens Brazuca eine sehr stabile Flugbahn.

Physik 30.05.2014

In den letzten Jahren gab es dramatische Veränderungen bei den Formen und Designs von Fußbällen", schreiben Sungchan Hong und Takeshi Asai von der Universität Tsukuba in einer Studie.

Der Artikel:

"Effect of panel shape of soccer ball on its flight characteristics" von Sungchan Hong und Takeshi Asai ist am 29. 5. 2014 in "Scientific Reports" erschienen.

Sie untersuchten Bälle mit 6, 8, 14 und 32 Feldern. Im Einzelnen waren es die Bälle mit den Namen Brazuca, Cafusa, Jabulani, Teamgeist 2 sowie Vantaggio, der das klassische Fußballmuster mit Fünf- und Sechsecken aufweist. Tatsächlich maßen Hong und Asai erhebliche Unterschiede beim Luftwiderstand und beim Flugverhalten der Bälle.

Eine Frage der Nahtlänge

Nach Angaben der Forscher spielt es eine wichtige Rolle, wie lang alle Nähte des Balls zusammengenommen sind: Jabulani mit 1,98 Metern Naht zeigt bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten ein ähnliches Flugverhalten, während es sich bei Cafusa mit 4,47 Metern Naht mit der Geschwindigkeit deutlich ändert.

Cafusa zeigte auch bei einem Schuss über 25 Meter, ausgeführt von einem exakt eingestellten Roboter, die größten Abweichungen. Je nachdem, wie die Einzelflächen des Balls zur Flugbahn ausgerichtet waren, befand sich der Ball nach 25 Metern auf dem Boden oder in drei Metern Höhe. Cafusa flattert also stark in senkrechter Richtung, während Vantaggio sehr viel gleichförmiger fliegt. Dabei haben beide Bälle 32 Felder, die allerdings sehr unterschiedlich angeordnet sind.

Im Durchschnitt aller Versuche wies der WM-Ball Brazuca die stabilsten Flugbahnen auf, dicht gefolgt von Vantaggio mit dem klassischen Fußballmuster. "Der beobachtete Effekt der Flächenanordnung auf die Flugeigenschaften ist hilfreich für praktisches Fußballtraining und für die Gestaltung neuer Fußbälle", schreiben die Forscher.

Sie geben aber zu, dass die Aerodynamik eines Balls nicht allein von den Oberflächenformen abhängt, sondern unter anderem auch von der Rauigkeit, dem Material und der Verarbeitungsmethode. Dies solle in einer künftigen Studie untersucht werden.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zu dem Thema: