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Verschmutztes Wasser

Europäische Gewässer mit Chemikalien belastet

Chemische Substanzen belasten die Gewässer Europas stärker als gedacht. Die von den EU-Mitgliedsstaaten bis 2015 angepeilte Verbesserung der Wasserqualität werde daher vermutlich nicht erreicht, schreiben Forscher in einer Studie.

Bilanz 17.06.2014

"An der Wasserrahmenrichtlinie schrammen wir dicht vorbei", Werner Brack vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, ein Co-Autor des Berichts. Hauptverursacher der Belastung in den untersuchten Flüssen sind demnach Landwirtschaft und städtische Kläranlagen. Die stärkste Belastung kommt den Angaben zufolge von Pestiziden.

Die Studie

"Organic chemicals jeopardize the health of freshwater ecosystems on the continental scale", PNAS (16.6.2014; doi: 10.1073/pnas.1321082111).

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Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 17.06. um 13:55.

In bedenklichen Konzentrationen gefunden wurden auch organische Zinnverbindungen, bromierte Flammschutzmittel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die aus Verbrennungsprozessen stammen. Die Forscher veröffentlichten ihre Studie in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

"Es muss sich dringend etwas bewegen"

Die Wissenschaftler analysierten Daten zu 223 Chemikalien aus den Einzugsgebieten von 91 Flüssen, darunter etwa die Donau und der Rhein. Die Angaben stammten von mehr als 4.000 Messstellen. Die chemische Belastung stellt - so das Ergebnis - für rund die Hälfte der Gewässer ein ökologisches Risiko dar. Bei rund 15 Prozent könnten sogar akut toxische Effekte auf Gewässerorganismen auftreten.

"Für die Praxis bedeutet das, dass sich auf allen Ebenen dringend etwas bewegen muss", sagte der Studienleiter Ralf B. Schäfer. Chemikalieneinträge in Gewässer müssten generell vermieden werden. In der Landwirtschaft sollten weniger Chemikalien eingesetzt und Abwässer besser geklärt werden.

Direkte Vergleiche zwischen den Ländern seien schwierig, erläuterte das Helmholtz-Zentrum in einer Mitteilung. Dass etwa Frankreichs Gewässerqualität in der Studie am schlechtesten dasteht, liege vermutlich daran, dass die Behörden dort über ein sehr engmaschiges Messnetz verfügen und viele Substanzen analysiert werden. In anderen Staaten würden Risiken durch unzureichende Überwachung nicht erkannt.

science.ORF.at/dpa

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