Standort: science.ORF.at / Meldung: "Nutzen von Drei-Eltern-Embryo fraglich"

Mikroskopische Aufnahme einer menschlichen Eizelle, die zu Demonstrationszwecken injiziert wird

Nutzen von Drei-Eltern-Embryo fraglich

In Großbritannien wird derzeit eine neue Methode der künstlichen Befruchtung, bei der drei Personen involviert sind, diskutiert. Eine Studie von Wiener Forschern bezweifelt den angekündigten Nutzen.

Künstliche Befruchtung 17.06.2014

Die Methode soll verhindern, dass Mütter Erbkrankheiten, die von fehlerhaften "Zellkraftwerken" (Mitochondrien) ausgelöst werden, an ihre Kinder weitergeben. Laut den Forschern um Jörg Burgstaller von der Abteilung für Reproduktionsbiologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien könnten wenige "mitgeschleppte" Mitochondrien die Krankheit dennoch verursachen.

Zwei Mütter, ein Vater

Die Studie in "Cell Reports":

"mtDNA Segregation in Heteroplasmic Tissues Is Common In Vivo and Modulated by Haplotype Differences and Developmental Stage" von Jörg Burgstaller et al., erschienen am 5. Juni 2014.

Bei der Methode würden Mediziner von einer Eizelle der betroffenen Frau den Zellkern entnehmen und ihn in die Eizelle einer Spenderin mit intakten Mitochondrien einbringen. Diese kann anschließend im Reagenzglas mit dem Samen des Mannes befruchtet werden.

Mitochondrien sind Zellorganellen, die Energie produzieren und ein eigenes Erbgut besitzen, das ausschließlich über die Mütter weitergegeben wird. Erbkrankheiten, die durch defekte Mitochondrien ausgelöst werden, treten weltweit sehr selten auf. Die Rate liegt laut Schätzungen zwischen einer von 6.500 und einer von 10.000 Personen. Weil diese allesamt unheilbar sind, versucht man derzeit, den betroffenen Frauen mittels Zellkerntransfermethoden einen gesunden Nachwuchs zu ermöglichen.

Wenn bei dieser Art von künstlicher Befruchtung aber ein paar defekte Mitochondrien "mitgeschleppt" werden, könnten sich jene gegen die gesunden durchsetzen und bei dem Kind genau jene Erbkrankheit auslösen, die verhindert werden sollte, fanden die Wiener Forscher mit einem internationalen Team in Tierversuchen heraus.

Vorabanalyse

Sie untersuchten dazu Labormäuse, in die sie künstlich fremde Mitochondrien eingebracht hatten. Weil bei den üblichen Laborstämmen die Mitochondrien kaum Unterschiede aufweisen, fingen die Forscher wilde Hausmäuse in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich und analysierten deren Mitochondrien-DNA. Dabei fanden sie vier verschiedene Mitochondrien-Typen, die sie jeweils zusätzlich in die Zellen der Labormäuse transferierten, erklärte Burgstaller.

Je größer die genetischen Unterschiede zwischen den beiden Mitochondrien-Varianten in den Versuchstieren waren, umso häufiger hatte eine davon einen massiven Wachstumsvorteil, und die andere wurde verdrängt, berichten die Forscher. Bei nahe verwandten Mitochondrien-Typen konnten sie diesen Verdrängungseffekt hingegen kaum beobachten.

Deshalb schlagen die Forscher vor, dass man bei einer solchen künstlichen Befruchtung die DNA in den Mitochondrien der beiden "Mütter" vorab analysiert und eine Eizellspenderin mit möglichst nahe verwandtem Mitochondrien-Erbgut wählt. Denn bei jedem Zellkerntransfer wird eine kleine Menge defekter Mitochondrien in die gesunde Eizelle übertragen.

"Bisher dachte man, dass diese minimale 'Verunreinigung' keine Folgen für das entstehende Kind hat", so Burgstaller. Doch wenn sich die Mitochondrien der beiden Mütter zufällig genetisch sehr unterscheiden, könnte es zu denselben Effekten wie im Mausmodell kommen. Setzten sich dabei die Mitochondrien mit dem defekten Erbgut durch, war die ganze Prozedur nutzlos.

science.ORF.at/APA

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