Standort: science.ORF.at / Meldung: "Neandertaler aßen auch Gemüse"

Rekonstruktion eines Neandertalers.

Neandertaler aßen auch Gemüse

Der Neandertaler galt bisher als Fleischliebhaber unter den Hominiden. Die Analyse fossiler Kotreste zeigt nun: Zumindest auf der Iberischen Halbinsel waren unsere ausgestorbenen Verwandten auch pflanzlicher Kost nicht abgeneigt.

Ernährung 26.06.2014

Die analysierten Kotreste stammen aus den Höhlen von El Salt im Osten Spaniens und werden auf etwa 50.000 Jahre datiert. Damit gehören die dort genommenen fünf Bodenproben zu den ältesten bekannten menschlichen Hinterlassenschaften überhaupt.

Die Forscher um Ainara Sistiaga vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge hatten die Fossilien auf Stoffe untersucht, die für eine Aufnahme von Fleisch beziehungsweise Pflanzen typisch sind. Für Fleisch war dies Coprostanol, das bei der Verdauung aus Cholesterin entsteht. Als Hinweis auf gegessene Pflanzen wurde das darin häufig vorkommende 5ß-Stigmastanol verwendet.

Die Studie

"The Neanderthal Meal: A New Perspective Using Faecal Biomarkers", PLOS ONE (25.6.2014; doi: 10.1371/journal.pone.0101045).

Erster direkter Nachweis

Ausgrabungsstätte mit Fossilien

Ainara Sistiaga

Fundort der Fossilien in El Salt

Ein Großteil der Neandertalerkost bestand demnach aus Fleisch - es gab aber auch klare Hinweise auf pflanzliche Nahrung. Der Anteil sei höher gewesen als bisher für die Verwandten des modernen Menschen angenommen, heißt es in der Studie. Bisherige Analysemethoden konzentrierten sich auf verdaute Eiweiße, der Pflanzenanteil werde dabei systematisch unterschätzt.

Hinweise darauf, dass Neandertaler neben Beeren und Nüssen auch Grünzeug aßen, waren von Zahnsteinanalysen gekommen. Die Kotanalyse liefere nun einen ersten direkten Hinweis auf Pflanzen im Speiseplan, schreiben die Forscher im Fachblatt "PLOS ONE". Homo neanderthalensis, ein ausgestorbener Verwandter des modernen Menschen (Homo sapiens), lebte vor etwa 230.000 bis 40.000 Jahren in Eurasien. Eine auf Fleisch konzentrierte Ernährung wurde als ein möglicher Faktor für sein Aussterben angesehen.

science.ORF.at/dpa

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