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Archaeopteryx mit ausgebreiteten Flügeln

Urfedern: Erst zur Balz, dann zum Fliegen

Federn dienten Tieren der Urzeit nicht unbedingt zum Fliegen. Eine Studie kommt zu dem Schluss: Sie setzten ihr Federkleid als Kälteschutz ein sowie bei der Partnersuche. Schon der Urvogel Archaeopteryx balzte.

Paläontologie 03.07.2014

"Er tat es vermutlich nicht so ausgeprägt wie Vögel es tun - aber wahrscheinlich in irgendeiner Form schon", sagt Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Vor allem mit den Federn an Schwanz, Flügeln und Hinterbeinen wollte der Urvogel Partnern gefallen.

Die Wissenschaftler um Rauhut fanden auch Hinweise dafür, dass der Archaeopteryx tatsächlich fliegen konnte. Das war bisher nicht sicher - manche Forscher nahmen an, dass er sich vor allem hüpfend fortbewegte.

Die Studie:

"New specimen of Archaeopteryx provides insights into the evolution of pennaceous feathers" von Christian Foth und Kollegen ist am 2.7.2014 in "Nature" erschienen

"Interessanterweise waren die seitlichen Schwanzfedern von Archaeopteryx aerodynamisch geformt und dürften daher auch eine wichtige Rolle bei der Flugfähigkeit gespielt haben", sagt Koautor Christian Foth. Das sieht auch Rauhut so: "In irgendeiner Form konnte er fliegen. Wir sind nur nicht sicher, wie gut."

Flauschiger T-Rex?

Die Forscher hatten den elften, 2011 entdeckten Archaeopteryx untersucht. Er hat von allen Funden das besterhaltene Federkleid. Ergebnis: Die Vorfahren der Vögel legten sich ihre Federn nicht zu, um sich in die Lüfte zu schwingen. Erst als sie sich zu neuen Formen entwickelten, dienten sie vermutlich auch zum Fliegen.

Illustration eines befiederten Dinosauriers

Frank Ippolito

Dino mit Federn: Mahakala omnogovae aus der Kreidezeit

In diese Richtung wiesen bereits Studien an anderen Dinosauriern: Manche hatten einen weichen warmen Federflaum - obwohl sie nie flogen. Vor zwei Jahren hatten die Münchner Forscher einen Baby-Raubsaurier untersucht, verwandt mit dem berüchtigten Tyrannosaurus. Unter ultraviolettem Licht sahen sie die Reste der Haut und des Federkleides als leuchtende Flecken und Fasern - der Beweis, dass Jungtiere Federn hatten. Rauhut schloss damals nicht aus, "dass auch ein ausgewachsener Tyrannosaurus rex noch flauschig war".

Dinos waren Warmblüter

Auch Funde gefiederter Saurier aus China brachten das Bild der drachenartigen Reptilien ins Wanken. Da die wärmende Bedeckung nur Sinn macht, wenn Tiere ihre Körpertemperatur regeln können, müssen Dinosaurier und Archaeopteryx eine Art Warmblüter gewesen sein.

Damit waren sie auf eine Art höher entwickelt als manche der heutigen Reptilien. Diese "fortschrittlichen" Raubsaurier, frühe Vögel und Archaeopteryx nutzten die Federn vermutlich auch beim Laufen: Ihre Schwingen dienten zum Halten der Balance, ähnlich wie bei Straußen.

Mit den Federn konnte sich der Archaeopteryx auch aufplustern. "Das vergrößert die Oberfläche und macht die Tiere imposanter", sagt Rauhut. Vielleicht diente das als Drohgebärde gegenüber Feinden - oder bei der Partnersuche.

Hinweise auf farbige Federn

Noch rätseln die Forscher, wie bunt der Urvogel war. Ziemlich sicher ist: Er war nicht knallbunt wie ein Papagei - aber auch nicht nur schwarz-weiß wie oft dargestellt. Vor einem Jahr ergab eine Studie, dass die Federn dunkle Kanten und Spitzen hatten und das Federkleid gemustert war.

Mit einer speziellen Röntgentechnik entdeckte das Team der Universität Manchester und des Berliner Museums für Naturkunde damals auch Metallspuren, die auf helle Farben in der Federmitte hindeuten.

"In den Pigmentkörperchen gibt es Anreicherung bestimmter Metalle: Kupfer, Eisen. Das führt dazu, dass bestimmte Farben sichtbar werden", sagt Daniela Schwarz-Wings, Kuratorin für fossile Reptilien am Naturkundemuseum. "Es könnten schwarze, braune und rote Farbbereiche da sein."

Der Archaeopteryx war vermutlich eher dunkel. "Aber Blau, Grün oder Gelb - solche schillernden bunten Farben kann man durch die Analysen nicht nachweisen." Denn diese Farben seien durch den inneren Aufbau der Feder vorgegeben - im Stein ist aber nur der äußere Abdruck erhalten.

Jurassic-Park überholt

Nun ordnete das Team um Foth und Rauhut das rekonstruierte Federkleid des Urvogels auch in eine Übersicht der bekannten Federformen bei Dinosauriern ein - sie bieten große Vielfalt.

"Wären die Federn primär für das Flugvermögen entstanden, dann hätte das die Variation aus funktionalen Gründen vermutlich eingeschränkt", sagt Foth. Es gab Saurier mit gefiederten Beinen, manche hatten lange Federn bis zu den Zehen, andere daunenartiges Gefieder.

Das Bild von Urvogel und Sauriern wandelt sich: Nach den neuen Erkenntnissen müsste manches Saurier-Modell in Museen und in dem Regalen der Spielzeugabteilungen angepasst werden - die Bilder aus Jurassic-Park sind überholt: Die Dino-Welt war vielfältiger und bunter als bisher angenommen.

science.ORF.at/dpa

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