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Enttäuschte Fußballfans, die sich die haare raufen, nachdem ihr Team verloren hat

Ein Mittel gegen Fußballallergie

Geboren in Brasilien, ist Fátima Ferreira seit Jahren eine der bekanntesten Allergieforscherinnen in Österreich. Bei der Fußball-WM drückt sie ihrer alten Heimat die Daumen, hat aber auch Verständnis für Menschen, die keinen Fußball mögen. "Fußballallergiker" sollten sich ähnlich verhalten wie andere Allergiker, rät sie im Interview.

Medizin 07.07.2014

Ferreira selbst gehört nicht zu den Fußballallergikerinnen. Während des Studiums in Brasilien hat sie selbst gespielt, später machte sie das im Kreise der Familie mit Bruder, Schwestern, Neffen und Onkeln immer wieder.

Der letzte aktive Einsatz ist allerdings schon 15 Jahre her, und damals hat sie mit ihrer Schwester gemeinsam im Tor gespielt. "Um nicht gegen die Männer am Feld kämpfen zu müssen", lacht sie heute zurückblickend.

"Fla-Flu" ist kein Grippevirus

Fátima Ferreira, heute Vizerektorin der Universität Salzburg wurde 1959 in Cachoeira de Goias, im Mittelwesten Brasiliens, geboren. Schon als Kind hat sie Pelé bewundert, wie er mit seinen Toren zum Weltmeistertitel Brasiliens bei der WM 1970 beigetragen hat.

Das "heilige" Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro, das für die aktuelle Weltmeisterschaft umgebaut wurde, hat sie erst vor fünf Jahren zum ersten Mal betreten. Dafür hat sie da gleich "Fla-Flu" gesehen - was kein Grippevirus ist, sondern das klassische Stadtderby zwischen Flamengo und Fluminense.

Die Molekularbiologin Fatima Ferreira

APA - Robert Jäger

Fatima Ferreira wurde vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zu Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres 2008 gewählt

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 7.7., 13:55 Uhr.

Lieblingsverein hat Ferreira keinen, die Selecao unterstützt sie aber natürlich im Sommer 2014, daheim vor dem Fernseher, gemeinsam mit ihrem Mann "und ein bisschen Bier - das ist ein Ritual". Die brasilianischen Fußballer des benachbarten Red Bull Salzburg sind da zwar nicht mit von der Partie, Ferreira hat sie aber bereits kennengelernt.

"Es gibt eine kleine brasilianische Community in Salzburg, die sich regelmäßig trifft. Im Sommer etwa zum Barbecue". Auch Alan Douglas Borges de Carvalho kennt sie, ihren brasilianischen Landsmann, der heuer für die Salzburger unter seinem Spielernamen "Alan" Tore am Laufband schoss - und der bald Österreicher werden könnte.

Allergenvermeidung wirkt - auch gegen Fußball

Hauptberuflich arbeitet Ferreira an Impfstoffen gegen Allergien. Es gibt aber auch noch einen anderen Weg als jenen der damit angestrebten Hyposensibilisierung - also der langsamen Zufuhr von Allergenen, wodurch sich das Immunsystem anpassen und nicht mehr so heftig reagieren soll: die Allergenvermeidung.

"Wenn man mit einer Allergenquelle nicht in Berührung kommt, dann hat man auch keine allergische Reaktion", meint sie gegenüber science.ORF.at. "Birkenpollenallergiker könnten zu Beginn der Pollensaison etwa ins Gebirge gehen, wo es keine Birken gibt. Ihr Körper wird dann keine Antikörper bilden, und die Krankheit bleibt unter Kontrolle. So etwas Ähnliches könnte man auch Fußballallergikern empfehlen", lachte sie, von science.ORF.at dazu befragt.

"Wer Fußball nicht ausstehen kann, sollte ihn einfach vermeiden und nicht fernsehen. Dann ärgert man sich nicht", so der fachkundige Rat. Nachsatz: "Das wirkt und ist garantiert nebenwirkungsfrei."

"Wissenschaft ist riesiges Fußballteam"

"Was mich am Fußball interessiert, ist die Teamarbeit. Von ihr können alle profitieren, speziell die Jungen", meint Fátima Ferreira. Das zeige auch die WM in Brasilien. "Wer Teamspirit hat, ist ruhiger, selbstbewusster und spielt besser. Ich glaube deshalb auch, dass es eine gefährliche Strategie von Brasilien ist, alles von Neymar abhängig zu machen. Man wird sehen, wie sich das nach seiner Verletzung im Halbfinale auswirken wird."

Teamarbeit hält Ferreira auch in der Wissenschaft für ein zentrales Erfolgsgeheimnis. "Ich bin total für Zusammenarbeit und Netzwerken. Sich mit Kollegen über eine neue Arbeit auszutauschen, macht nicht nur Spaß, sondern man lernt auch viel dabei und wird selber besser. Für mich funktioniert Forschung nur im Team ideal."

In der Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen im In- und Ausland zeige sich: "Die Wissenschaft ist eine große Community, sozusagen eine riesige Fußballmannschaft."

Arbeit an neuem Impfstoff gegen Birkenpollenallergie

Vor über 20 Jahren ist die Molekularbiologin nach Österreich gekommen, etwa genauso lange forscht sie an Allergien. Mit Kollegen hat sie das weltweit erste künstlich hergestellte Allergen entwickelt, jenes der Birke. 2006 war sie Gründungsdirektorin des an der Uni Salzburg eröffneten Christian-Doppler-Labors für Allergiediagnostik und -therapie hat. Die Laufzeit des Labors von sieben Jahren ist zwar mittlerweile vorbei, geforscht wird aber weiter.

Es geht dabei um einen neuen Impfstoff für Birkenpollen-Allergiker, der bereits alle präklinischen Tests erfolgreich bestanden hat. Im Rahmen des EU-Projekts "bm4sit" folgen in den nächsten fünf Jahren klinische Studien an Patienten. "Rund 400.000 Menschen sind alleine in Österreich von Birkenstoff-Allergien betroffen. 70 Prozent von ihnen haben dazu auch eine Nahrungsmittelallergie, etwa gegen Obst, Gemüse oder Nüsse", umreißt Ferreira das Problem.

Der neue Impfstoff beruht auf einem künstlichen Birkenpollenallergen, dem Vitamin D3 beigefügt wird. "Das Vitamin ist für seine entzündungshemmende Wirkung bekannt", erklärt die Molekularbiologin. "Allergische Erkrankungen sind Entzündungskrankheiten, und deshalb erhoffen wir uns von der Kombination eine schnellere Wirksamkeit."

Im nächsten Jahr soll die notwendige Dosis ermittelt, danach die generelle Wirksamkeit überprüft werden. Nach insgesamt fünf Jahren könnte der neue Impfstoff fertig sein - knapp nach der nächsten Fußball-WM.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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