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Ein Bluttropfen auf einem Finger

Hoffnung auf Alzheimer-Bluttest

Auf der Suche nach einem einfachen Test zum Nachweis von Alzheimer sind britische Wissenschaftler einen großen Schritt vorangekommen. Sie identifizierten zehn Proteine im Blut, mit denen sich der Beginn der bislang unheilbaren Demenzerkrankung vorhersagen lässt.

Demenzerkrankungen 09.07.2014

An der Londoner Börse sorgte die Nachricht für Furore: Der Aktienkurs der kleinen Biotechfirma Proteome Sciences, die an den Arbeiten beteiligt war, stieg gestern zeitweise mehr als 15 Prozent.

Einschlägige Proteinkombination

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Für die Krankheit charakteristisch ist ein langsames und bislang nicht aufhaltbares Absterben von Gehirnzellen. Die Betroffenen leiden unter anderem an fortschreitenden Gedächtnisstörungen, dem allmählichen Verlust ihres Denkvermögens und sind zunehmend auf Hilfe angewiesen. Typisch für die 1906 vom deutschen Neurologen Alois Alzheimer erstmals nachgewiesene Krankheit sind auffällige Eiweißablagerungen im Gehirn.

Die Forscher am Kings College untersuchten Blutproben von 1.148 Menschen, darunter 476 Alzheimer-Patienten und 220 mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI), einer Vorstufe der Demenz. Sie fanden 16 Proteine, die mit Gehirnschädigungen einhergehen, wie sie bei MCI oder Alzheimer vorkommen. Die Wissenschaftler starteten daraufhin eine zweite Testreihe, um herauszufinden, mit welchen dieser Proteine sich der Beginn von Alzheimer vorhersagen lässt. Ihr Ergebnis: Es gibt eine Kombination von zehn Proteinen, mit denen sich bei Menschen mit MCI der Beginn von Alzheimer innerhalb eines Jahres mit einer Sicherheit von 87 Prozent prognostizieren lässt.

Frühe Behandlung

"Ein einfacher Bluttest könnte helfen, Patienten viel früher zu identifizieren, etwa für die Teilnahme an Studien zur Entwicklung neuer Arzneien", sagte Simon Loveston von der Oxford University, der die Arbeiten am Kings College leitete. Alzheimer schädige das Gehirn bereits viele Jahre, bevor die Krankheit üblicherweise diagnostiziert werde. "Viele unserer Medikamentenstudien schlagen fehl, weil das Gehirn bereits zu schwer betroffen ist, wenn den Patienten das Medikament gegeben wird." Zwar arbeiten internationale Konzerne wie Roche, Eli Lilly und Merck & Co intensiv an neuen Wegen zur Bekämpfung der Krankheit. Die Forschung gilt aber als sehr riskant: Allein in den vergangenen 15 Jahren sind mehr als 100 neue Wirkstoffe in Tests durchgefallen.

Alzheimer-Experten hoffen nun, dass sich die Ergebnisse der Wissenschaftler in größeren Tests bestätigen lassen. Sie warnen zugleich vor voreiligen Erwartungen. Diese Resultate bedeuteten nicht, dass ein Bluttest für Alzheimer bereits vor der Tür warte, sagt etwa James Pickett, Forschungschef der Alzheimer Society.

science.ORF.at/APA/AFP

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