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Prostituierte im Hauseingang

Lancet: "Menschenrechte für Prostituierte"

Mit einem provozierenden Titelbild und einem ganzen Heft zum Thema "HIV und Sexarbeiterinnen" prangert die medizinische Fachzeitschrift "The Lancet" massive Menschenrechtsverletzungen an.

Medizin 22.07.2014

Chefredakteur Richard Horton stellte das Heft am Dienstag bei der Welt-Aids-Konferenz in Melbourne vor. Auf den Titel der Zeitschrift, die sonst oft Zellkulturen oder Krankheitsbilder illustriert, ist eine Prostituierte in Leder und Strapse mit Plateau-Stiefeln und einem Schild "Die Gesetze sind schlecht, nicht die Huren" abgebildet.

Wenn Sexarbeiterinnen weiter systematisch verfolgt und ausgegrenzt werden, ist der weltweite Kampf zur Ausrottung von HIV und Aids nach Ansicht von Experten zum Scheitern verurteilt. Stigmatisierung und Verfolgung seien massive Menschenrechtsverletzungen, schreiben Fachleute in "The Lancet".

Entkriminalisierung gefordert

Die Kriminalisierung von käuflichem Sex zwinge weibliche, männliche und transgender-Prostituierte oft in den Untergrund, heißt es in dem Heft. Kondome, HIV-Tests und Medikamente seien für viele nicht zugänglich. In manchen Regionen in Afrika sind nach internationalen Studien mehr als ein Viertel der Sexarbeiterinnen mit dem HI-Virus infiziert, das unbehandelt die tödliche Immunschwächekrankheit Aids auslöst.

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Über die Welt-Aids-Konferenz berichtet heute auch das Mittagsjournal, 22. Juli 2014, 12:00 Uhr.

"Das Ziel einer aidsfreien Generation wird nicht erreicht werden, wenn die Menschenrechte von Sexarbeiterinnen nicht weltweit anerkannt werden", heißt es in dem Heft.

"Sexarbeiterinnen tragen ein 13,5 mal höheres Risiko, sich mit dem HI-Virus zu infizieren als andere Frauen", heißt es weiter. Es reiche aber nicht, mehr Kondome zu verteilen oder Sexarbeitern Gleitcreme oder Aids-Medikamente zur Verfügung zu stellen. Vielmehr müssten Gesetze, Politik und gesellschaftliche Einstellungen geändert werden.

"Die Entkriminalisierung von Sexarbeit hätte den größten Einfluss auf den Verlauf der Epidemie, und könnte in den nächsten zehn Jahren ein Drittel der HI-Infektionen unter Sexarbeiterinnen und ihren Kunden verhindern", heißt es in "Lancet". Das sogenannte schwedische Modell, wo zwar nicht die Prostituierten, aber die Freier kriminalisiert werden, reduziere das Gewerbe nicht, betonte Anna-Louise Crago von der Universität Toronto. Sexarbeiterinnen und Freier würden nur in Randgebiete gezwungen, wo es schwieriger für die Frauen sei, sichere Arbeitsbedingungen mit Kondomnutzung auszuhandeln.

science.ORF.at/dpa

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