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Waldlichtung

Klimawandel setzt Europas Wäldern zu

Schon in den vergangenen 40 Jahren haben Waldschäden durch Wind, Feuer und Borkenkäfer in Europa stark zugenommen. Beim Fortschreiten der Erderwärmung werden diese künftig weiterhin zunehmen und die Schadholzmenge um eine Million Kubikmeter pro Jahr steigen, berichten Wiener Forscher in einer neuen Studie.

Forstwirtschaft 04.08.2014

Auf Basis von Waldschadensmeldungen aus ganz Europa haben Rupert Seidl und Werner Rammer vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien sowie Kollegen aus den Niederlanden und Finnland errechnet, dass in den vergangenen vier Jahrzehnten die Schadholzmengen kontinuierlich gestiegen sind.

Die Studie:

"Increasing forest disturbances in Europe and their impact on carbon storage" von Rupert Seidl und Kollegen ist am 3. April in "Nature Climate Change" erschienen.

Im Zeitraum 2002 bis 2010 gingen 32 Millionen Kubikmeter Schadholz pro Jahr auf das Konto von Windwürfen, das sind um 140 Prozent mehr als im Zeitraum 1971 bis 1980. Die Schäden durch Borkenkäfer haben sich in dieser Zeit auf 15 Millionen Kubikmeter pro Jahr versiebenfacht, jene durch Waldbrände auf neun Millionen Kubikmeter pro Jahr mehr als verdreifacht.

Bei Bränden ist "Klimawandel der Treiber"

Die im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends in Summe anfallende jährliche Schadholzmenge von 56 Millionen Kubikmeter entspricht dem bestehenden Holzvolumen in den Wäldern Vorarlbergs und Burgenlands, vergleichen die Forscher.

Beim Anstieg der Schäden durch Waldbrände sei "ganz klar der Klimawandel der Treiber, bei Wind und Borkenkäfer ist ungefähr die Hälfte der Schäden klimabedingt", sagte Seidl im Gespräch mit der APA. Die andere Hälfte gehe unter anderem auf das Konto der Zunahme des im europäischen Wald stehenden Holzvorrats, die auch eine Zunahme an Schäden bedinge.

Jedenfalls hat sich die Entwicklung in den vergangenen Jahren beschleunigt: Die durch Wind, Feuer und Borkenkäfer verursachte Schadholzmenge stieg zwischen 1971 und 2001 um rund eine Million Kubikmeter pro Jahr, zwischen 2002 und 2010 bereits um 1,6 Millionen Kubikmeter jährlich. Danach sind es wieder eine Million Kubikmeter jährlich.

Schäden werden sich ausweiten

Angesichts der zu erwartenden zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels prognostizieren die Wissenschaftler einen weiteren Anstieg der Schäden: Ohne Änderung des derzeitigen Waldmanagements werden zwischen 2021 und 2030 um fast eine Mio. Kubikmeter Schadholz pro Jahr durch Feuer, Wind und Borkenkäfer zusätzlich anfallen, das entspricht dem durchschnittlichen Holzvorrat auf einer Waldfläche von etwa 7.000 Fußballfeldern.

Grund für diesen Anstieg ist das erwartete Fortschreiten des Klimawandels. "Wenn wir in den Simulationen dagegen das Klima auf vergangenen Werten einfrieren, bleiben die Schäden auf hohem Niveau gleich", so Seidl.

Maßnahmen: Mehr Diversität im Wald

Die Wissenschaftler verweisen auf einen starken Rückkoppelungseffekt dieser Schäden auf den Klimawandel. Derzeit binden die europäischen Wälder große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und wirken so dem Klimawandel entgegen. Steigende Waldschäden könnten dagegen die Erderwärmung beschleunigen. Die Forscher errechneten, dass sich durch Waldschäden das CO2-Speicherpotenzial der europäischen Wälder zwischen 2021 und 2030 um mehr als 500 Millionen Tonnen Kohlenstoff verringern wird.

"Die europäische Waldwirtschaft muss sich also auf zum Teil gravierende Änderungen einstellen, welchen jedoch durch eine angepasste Bewirtschaftung begegnet werden kann", betonte Seidl.

Vor allem in Mitteleuropa, wo ein besonders hoher Anstieg von Waldschäden zu erwarten sei, müssten Risikoüberlegungen eine zentralere Rolle in der Bewirtschaftung einnehmen. Durch Maßnahmen wie die Erhöhung der Diversität im Wald könnte ein Kohlenstoffverlust abgefedert und die Klimaschutzfunktion des Waldes unterstützt werden, sind die Wissenschaftler überzeugt.

science.ORF.at/APA

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