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Die Quantenphysikerin Francesca Ferlaino im Labor

Durch Zufall zur Quantenphysik

Francesca Ferlaino ist erst 36 Jahre alt. Seit 1. Juli ist sie dennoch die wissenschaftliche Direktorin des Innsbrucker Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IQOQI). Dabei wollte sie ursprünglich Philosophie studieren.

Porträt 11.08.2014

"Können wir die Sache etwas lockerer angehen?" Mit dieser Frage ist Francesca Ferlaino auf Anhieb sympathisch. Die Italienerin lacht viel, ihr entspanntes Auftreten widerspricht dem gängigen Klischee der trockenen Wissenschaftlerin.

Die Voraussetzungen für ihre Bilderbuchkarriere beschreibt sie entsprechend einfach: "Man muss das Glück haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, aber auch großes Interesse und viel Disziplin mitbringen." Dass in ihrem Fall wohl auch außergewöhnliches Talent eine Rolle gespielt haben muss, verschweigt die Physikerin bescheiden.

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Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 11.8., 13:55 Uhr.

Anfangs keine Ahnung von Physik

Dabei hatte sie zu Beginn Ihres Studiums ganz andere Pläne: Es zog sie mehr zur Philosophie als zu naturwissenschaftlichen Fächern. "Ich hatte wirklich überhaupt keine mathematischen oder physikalischen Kenntnisse - sogar einfachste Grundlagen fehlten mir", beteuert Ferlaino.

Unentschlossen, welche Richtung sie einschlagen sollte, sprach sie in ihrer Heimatstadt Neapel mit Professoren aus unterschiedlichsten Fachrichtungen. "Dann traf ich einen Professor für Physik an der Universität in Neapel und erzählte ihm, dass ich keine Ahnung von Physik habe. Er antwortete mir: 'Das ist perfekt, dann solltest du es studieren!'"

Gesagt, getan. Das erste Jahr an der Universität war für Francesca Ferlaino jedoch besonders hart: Die Mathematik sei ein Wald aus unverständlichen Symbolen gewesen, die Einführungsvorlesungen in klassischer Physik für sie völliges Neuland. Nur durch den Zusammenhalt und die Unterstützung ihrer Studienkollegen habe sie diese schwierige Phase überstanden, betont Ferlaino.

In Lerngruppen holte sie die nötigen Grundkenntnisse nach, in der starken Gemeinschaft fand sie moralischen Rückhalt. Ihre Studienwahl habe sie aber in keiner Sekunde bereut, versichert die Quantenphysikerin.

Die Quantenphysikerin Francesca Ferlaino im Labor

Universität Innsbruck

Die Quantenphysikerin im Labor

Wissenschaftliche Direktorin und zweifache Mutter

Nach ihrem Doktorat kam sie an das IQOQI in Innsbruck, eine der besten Adressen für Quantenphysik in Europa. Aus dem ursprünglich geplanten, dreimonatigen Aufenthalt, wurden acht Jahre, in denen sie für ihre bahnbrechenden Experimente, wie der Erzeugung des ersten Bose-Einstein-Kondensats aus dem Element Erbium, das ihr 2013 gelang, bekannt wurde.

Im selben Jahr bot die Universität Ulm ihr eine Humboldt-Professur an, mit fünf Millionen Euro die höchstdotierte Wissenschaftsförderung Deutschlands. Doch Ferlaino lehnte ab und nahm stattdessen ein Gegenangebot der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an, mit dem sie am IQOQI ihre eigene Arbeitsgruppe gründen konnte.

Während ihrer Zeit in Innsbruck wurde sie zweifache Mutter - die Frage, wie sie das neben ihrer Forschungsarbeit geschafft hat, ist für sie typisch österreichisch. In anderen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien sei es völlig normal, dass Frauen mit Kindern auch berufstätig sind, so Ferlaino.

Leicht sei eine derart steile Karriere als zweifache Mutter jedoch nicht gewesen. Besonders im ersten halben Jahr nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter habe sie wenig geschlafen, erinnert sich Ferlaino. Tagsüber habe sie sich um ihr Kind gekümmert, nachts habe sie gearbeitet. Ihr Partner sei dabei immer eine große Stütze gewesen, aber auch die flexiblen Arbeitszeiten am IQOQI sowie ein Kindermädchen hätten dazu beigetragen, ihren Beruf und ihre Kinder unter einen Hut zu bringen.

Wolfgang Däuble, Ö1 Wissenschaft

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