Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mumifizierung viel älter als gedacht"

Stoffstück von der Mumie aus Mostagedda

Mumifizierung viel älter als gedacht

Die Mumifizierung der Toten war ein zentraler Bestandteil der altägyptischen Kultur. Bisher ging man davon aus, dass sich die Technik frühestens Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. entwickelt und verbreitet hat. Neue Untersuchungen legen einen um bis zu 1.500 Jahre früheren Ursprung nahe.

Altes Ägypten 14.08.2014

Für die Reise ins Jenseits

Die Studie in "PLOS ONE":

"Evidence for prehistoric origins of Egyptian mummification in Late Neolithic burials" von Jana Jones et al., erschienen am 13. August 2014.

Die Alten Ägypter waren davon überzeugt, ein intakter Körper sichere ihnen den Aufenthalt im Jenseits. In der prädynastischen Zeit, zwischen 4500 und 3100 v. Chr., kam ihnen dabei die Natur zu Hilfe. Die Toten wurden in einfachen Gruben, im trockenen und heißen Wüstensand bestattet. Der Leichnam trocknete aus und wurde dadurch konserviert.

Als man begann, die Verstorbenen in Matten und Holzsärgen zu beerdigen, verwesten und skelettierten die toten Körper. Künstliche Maßnahmen wurden notwendig. Nach der Entfernung der inneren Organe wurde der Leichnam mit Natron und Salz getrocknet. Das dauerte bis zu 40 Tage. Danach wurde er mit Baumharzen und Pflanzenölen einbalsamiert und in Matten oder Leinen eingewickelt. Man experimentierte mit unterschiedlichen Mischungen, und im Lauf der Zeit wurden die Rezepte immer ausgeklügelter, so um 1000 v. Chr. erreichte die Technik ihre Hochblüte - so will es zumindest die gängige Lehrmeinung.

Die aktuelle Studie der Forscher um Jana Jones von der Macquarie University in Sydney kommt nun zum Schluss, dass die Entwicklung der aufwendigen Praktiken vermutlich schon viel früher begann.

Komplexe Mischung

Mit Harz getränkte Textilstücke

Ron Oldfield and Jana Jones

Mit Harz getränkte Textilreste

Dafür haben sie Textilien aus den ältesten ägyptischen Grabstätten in der Badari-Region untersucht, in welche die dort bestatteten Körper gehüllt waren. Die Gräber stammen zum Teil noch aus der jungsteinzeitlichen Badari-Kultur und der Naqada-Kultur, aus der prädynastischen Zeit im Zeitraum zwischen 4500 und 3350 v. Chr. Sie wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgegraben. Die untersuchten Textilproben lagern in einem britischen Museum.

Schon vor Jahren hatte die Hauptautorin aufgrund von mikroskopischen Aufnahmen vermutet, dass die Stofffetzen Harz enthalten. Erst neue technische Analysenmethoden ermöglichten nun eine genaue biochemische Analyse. Dabei identifizierten die Forscher verschiedene Bestandteile, mit welchen die Textilien getränkt waren: Harz von Pinien, ein aromatisches Pflanzenextrakt, pflanzlichen Zucker, natürliches Petroleum sowie Pflanzen- und Tierfett. Die frühesten bisherigen Belege für eine Mumifizierung in Altägypten in Harzresten stammen aus vereinzelten Gräbern aus der Zeit um 2200 v. Chr.

Die Studie belegt nun, dass die Ägypter ihre Toten schon früher künstlich mumifizierten und bereits damals ausgewählte Stoffe und Kombinationen zur Einbalsamierung verwendet wurden. Den Forschern zufolge ähneln sowohl die Zusammensetzung als auch die Mengen jenen in der Blütezeit der Mumifizierung etwa 3.000 Jahre später. Manche verwendeten Inhaltsstoffe wirken zudem antibakteriell, was nahelegt, dass sie gezielt verwendet wurden. Die Studienautoren vermuten, dass die Alten Ägypter schon in dieser frühen Periode mit verschiedenen Mischungen experimentiert haben und die Rezepte dann im Lauf der Jahrtausende weiter optimiert wurden.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Mehr zum Thema: