Standort: science.ORF.at / Meldung: "Vor 39.000 Jahren aus Europa verschwunden"

Rekonstruktion eines Neandertalers.

Vor 39.000 Jahren aus Europa verschwunden

Die Neandertaler sind in Europa offenbar spätestens vor 39.000 Jahren ausgestorben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, für die ein internationales Team Knochenfunde mit neuen Analysemethoden untersucht hat. Die Knochen kommen aus 40 Fundstellen von Spanien, Frankreich und Italien bis Russland.

Neandertaler 21.08.2014

Die Forscher um Tom Higham von der englischen Universität Oxford fanden demnach keine Anhaltspunkte dafür, dass in Südspanien Neandertaler noch einige Zeit länger überlebten. Dies sei in der Vergangenheit wiederholt vermutet worden, schreiben sie in ihrer Studie.

Verbesserte Methoden

Die Gruppe um Higham nahm Proben von Fundstätten dreier Steinzeitkulturen: Die Moustérien-Kultur wird den Forschern zufolge den Neandertalern zugeordnet, die Uluzzien-Kultur dem modernen Menschen.

Die Zuordnung der Châtelperronien-Kultur ist umstritten, das Ende dieser Phase fällt aber in denselben Zeitraum wie das der Moustérien-Kultur. Daher werde die Schätzung zum Aussterben der Neandertaler von dieser Unsicherheit nicht berührt, betonen die Wissenschaftler.

Die Studie:

"The timing and spatiotemporal patterning of Neanderthal disappearanc" von Tom Higham und Kollegen ist am 20.8. in "Nature" erschienen.

Neandertalerkiefer von der Fundstelle Zafaraya in Südspanien

Thomas Higham

Neandertalerkiefer von der Fundstelle Zafaraya in Südspanien

Aus fast 200 Analysedaten berechneten sie, dass die Neandertaler mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent vor 41.030 bis 39.260 Jahren ausstarben.

Dass ihre Ergebnisse präziser seien als frühere Datierungen, begründen sie mit einer verbesserten Radiokarbonmethode mittels Beschleuniger-Massenspektrometrie. Auch seien die Methoden verbessert worden, um neuzeitliche Verunreinigungen von prähistorischen Proben zu entfernen.

Wann kam es zur Paarung mit modernem Menschen?

Der Studie zufolge bewohnten Neandertaler und der moderne Mensch 2.600 bis 5.400 Jahre lang dieselben Gegenden Europas. In dieser Zeit hätten sie sich kulturell austauschen und auch gemeinsame Nachkommen zeugen können.

Genetische Studien hätten gezeigt, dass etwa zwei Prozent der Gene von Europäern vom Neandertaler stammen, schreiben die Forscher.

Teil eines Armknochens von der Neandertalerfundstätte El Sidron in Nordspanien

Thomas Higham

Teil eines Armknochens von der Neandertalerfundstätte El Sidrón in Nordspanien

Genetiker datieren den größten Genaustausch zwischen beiden Arten aber auf die Zeit vor 77.000 bis 114.000 Jahren - lange vor der nun verfeinerten Datierung der Knochenfunde.

Darauf weist William Davies von der englischen Universität Southampton in einem "Nature"-Kommentar hin. "Diese Ungleichzeitigkeit zwischen den genetischen und fossilen Mustern muss noch erklärt werden", schreibt Davies.

Ein Grund dafür könnte sein, dass weite Teile Mittel- und Osteuropas bei den Proben nicht berücksichtigt worden seien. Deshalb fordert er: "Wir müssen auch diese Region an die Präzision und Abdeckung des übrigen Europa heranbringen."

science.ORF.at/dpa/

Mehr zu dem Thema: