Standort: science.ORF.at / Meldung: "Die Frage des Glücks"

Fröhliche Frau liegt auf dem Sofa

Die Frage des Glücks

Wie glücklich sind die Österreicher und Österreicherinnen? Die Antwort auf diese Frage hängt nicht zuletzt davon ab, wie sie gestellt wird. Das zeigt eine neue Studie, die im Gegensatz zu früheren sehr akribisch nachgefragt hat. Dabei zeigt sich, das nur ein Fünftel "frei von Problemen ist, die die Lebensfreude beeinträchtigen".

Sozialwissenschaften 02.09.2014

Neben anhaltenden Geldsorgen, Schmerzen, Einsamkeit und Stress mindern auch Frust über die Arbeit und über sich selbst die Zufriedenheit. Das zeigen erste Ergebnisse einer zweijährigen Studie der Modul University Vienna.

Die Tücken von Umfragen

Üblicherweise würden Umfragen ein Bild von glücklichen Österreichern ergeben. So zeigten sich in einer zu Beginn des Jahres veröffentlichten Studie etwa vier von fünf Österreichern (82 Prozent) mit ihrer Lebenssituation zufrieden, 30 Prozent davon sogar sehr. "Tatsächlich ist das Lebensgefühl vieler Bürger und Bürgerinnen aber weniger ungetrübt als diese Zahl vermuten lässt", hieß es am Dienstag in einer Aussendung der Privatuniversität.

Als Grund für die Diskrepanz nennt Ivo Ponocny, Leiter des Department of Applied Statistics and Economics der Modul University, die "logistischen Anforderungen" an solche Umfragen zum Wohlbefinden.

Diese würden geschlossene Fragen verwenden, die mit vorgegebenen Alternativen zu beantworten seien. Anders wäre die Auswertung extrem zeitaufwendig. Unter solchen Bedingungen würden die Befragten aber dazu neigen, kritische Gesamtbewertungen des eigenen Lebens zu vermeiden. Selbst Depressive würden auf einer Skala von 1 bis 10 "neutrale" Werte wie 5 oder 6 angeben.

Interviews, Tagebücher, Fragebögen

"Positive Zahlen dürfen daher nicht als ungetrübtes Glück fehlgedeutet werden", so Ponocny, der - um der Lebenszufriedenheit der Österreicher wirklich auf die Spur zu kommen - in einer zweijährigen Studie 550 Interviews an zehn Standorten, 335 speziell ausgefüllte Tagebücher sowie 1.432 detaillierte Fragebögen ausgewertet hat. Dabei konnten die Wissenschaftler u.a. deutliche regionale Unterschiede identifizieren.

So wurden in größeren Städten - im Vergleich zu kleineren Orten - neben offensichtlichen Aspekten wie dem urbaneren Ortsbild und der verbauten Landschaft auch die Altenpflege und Kinderbetreuung als signifikant nachteilig für die eigene Zufriedenheit eingestuft. Dagegen gibt es etwa bei der Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung keine regionalen Unterschiede.

Hausmänner sind am zufriedensten

Starken Einfluss haben auch die ganz persönlichen Lebensumstände: "Generell gesagt, kennen im Allgemeinen Nichtraucher und Nichtraucherinnen, Verheiratete und Menschen mit höherer Bildung am wenigsten Unzufriedenheit, wobei allerdings das 'Glück' mit Ausbildung und Einkommen nicht so stark ansteigt wie die 'Zufriedenheit'", so Ponocny.

Auch wenn ihre Zahl in der Umfrage sehr klein war: Deklarierte Hausmänner erreichten von allen untersuchten Gruppen die besten Zufriedenheitswerte.

Bei den geschlechtsspezifischen Unterschieden ragen nach Angaben der Uni zwei Faktoren besonders heraus: Das Gefühl unattraktiv zu sein, beeinflusse Frauen deutlich häufiger als Männer - dafür würden insbesondere ältere Männer eher unter einem unerfüllten Sexualleben leiden.

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: