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Mäuseembryo aus STAP-Zellen

Auch "Nature" war skeptisch

Der Skandal um zwei Studien, die eine revolutionäre Methode zur Gewinnung von Stammzellen versprochen haben, geht weiter. Die Fachzeitschrift "Nature" hatte sie veröffentlicht, dann zurückgezogen. Wie nun bekannt wurde, war die Arbeit zuvor von zwei anderen Zeitschriften abgelehnt worden - und auch "Nature" war ursprünglich sehr skeptisch.

Forschungsskandal 12.09.2014

Ein Forscherteam um Haruko Obokata vom japanischen Riken-Institut hatte Ende Jänner 2014 behauptet, dass sie Zellen neugeborener Mäuse in eine Art embryonalen Zustand zurückversetzt hatten.

Und zwar mit Hilfe von Zitronensäure, wie sie in zwei Studien im britischen "Nature" berichteten. Diese sogenannten STAP-Zellen sollten sich wieder in nahezu jeden Zelltyp entwickeln können - eine Zellverjüngung, die bis dahin nur mit Genmanipulation möglich war.

"Magischer Ansatz"

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 12.9. um 13:55.

Schon kurz nach Veröffentlichung der Studie wurden erste Zweifel laut, trotz wiederholter Anstrengungen von Forscherteams rund um die Welt ließen sich die Ergebnisse nicht wiederholen. Nachdem sie Irrtümer eingestanden und sich dafür entschuldigt hatten, zogen die Forscher ihre beiden Studien im Juli zurück. Tragischer Höhepunkt der Affäre war der Suizid von Yoshiki Sasai, einem der Ko-Autoren, ein Monat danach.

Die Frage bleibt, warum die Arbeiten überhaupt publiziert wurden. Noch Anfang April 2013 zeigte sich ein "Nature"-Herausgeber sehr kritisch, wie nun das News-Team von "Science" berichtet. Die US-Fachzeitschrift hatte wie auch "Cell" frühere Versionen der Studien abgelehnt - und gilt auf dem Publikationsmarkt als eine Hauptkonkurrentin von "Nature".

Vielleicht liegt es daran, dass sie einen E-Mail-Verkehr veröffentlicht hat, in der die "Nature"-Bedenken gegen die Studien ausführlich dokumentiert sind. Einer der Reviewer bezeichnet die STAP-Methode als "magischen Ansatz".

SAC statt STAP

Was in den neun Monaten bis Dezember 2013 geschehen ist - als "Nature" die beiden Arbeiten akzeptiert hat - ist laut "Science" unbekannt. Fakt ist, dass Obokata und ihr Team bereits zuvor Versionen ihrer Arbeit auch an andere Zeitschriften geschickt hatten, von denen sie abgelehnt wurden. Inwiefern sich diese von den veröffentlichten unterscheiden, ist nicht bekannt.

Wie das News-Team von "Nature" berichtet, hießen die Zellen ursprünglich nicht STAP (stimulus triggered acquisition of pluripotency"), sondern SAC (stress altered somatic cells). "Wenn man die Kommentare der Reviewer hernimmt, schienen STAP- und SAC-Zellen aber sehr ähnlich zu sein", heißt es.

Gleichgültig ob STAP oder SAC: Der Verdacht liegt nahe, dass die "Nature"-Herausgeber etwas voreilig einer Veröffentlichung zugestimmt haben, und möglicherweise gegen die Bedenken ihrer eigenen Reviewer. "Nature" wollte die Angelegenheit gegenüber "Science" aktuell nicht kommentieren, die Aufarbeitung des Forschungsskandals wird noch einige Zeit andauern.

"Science", das sich darum momentan bemüht, sitzt übrigens selbst im Glashaus: Der Fälschungsskandal Hwang beruht auf einer seiner Veröffentlichungen.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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