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Schwarzes Loch, künstlerische Darstellung

Schwarze Löcher vielleicht viel häufiger

In den kleinen Resten zerstörter Galaxien verstecken sich möglicherweise viele Schwarze Löcher. Damit könnten solche Schwerkraftmonster im Weltall häufiger vorkommen als bisher angenommen, wie die Studie eines internationalen Astronomenteams nahelegt.

Kosmos 17.09.2014

Die Wissenschaftler entdeckten nach Angaben des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) die kleinste bekannte Galaxie mit einem supermassereichen Schwarzen Loch in ihrem Zentrum. Die Beobachtung deutet darauf hin, dass auch viele andere sogenannte Zwerggalaxien solche zentralen Schwarzen Löcher beherbergen.

Extrem massereich

Die Studie in "Nature":

"A supermassive black hole in an ultra-compact dwarf galaxy" von Anil C. Seth et al., erschienen am 18. September 2014.

Das Astronomenteam fand das zentrale Schwarze Loch demnach in einer Zwerggalaxie, die sich in der Nachbarschaft einer großen Galaxie mit der Bezeichnung M 60 befindet. "Es ist die kleinste und leichteste Galaxie, die wir kennen, welche ein supermassereiches Schwarzes Loch besitzt", erklärte der US-Astronom Anil Seth von der Universität Utah als Hauptautor der Studie.

Schwarzes Loch in Zwerggalaxie

NASA/Space Telescope Science Institute/European Space Agency

Im rechten unteren Eck die Zwerggalaxie mit dem hervorgehobenem Schwarzen Loch.

Schwarze Löcher sind gefräßige Gravitationsmonster - nicht einmal das Licht kann ihrer Anziehungskraft entkommen. Das seit langem bekannte Schwarze Loch im Zentrum unserer Heimatgalaxie hat schätzungsweise vier Millionen Sonnenmassen. Forscher sprechen daher von einem supermassereichen Schwarzen Loch - im Gegensatz zu den viel kleineren Schwarzen Löchern, die bei Supernova-Explosionen massereicher Sterne entstehen. Supermassereiche Schwarze Löcher wurden auch in den Zentren anderer großer Galaxien gefunden - und nun auch in der ultrakompakten Zwerggalaxie mit der Bezeichnung M 60-UCD1.

Reste größerer Galaxien

Deren zentrales Schwarzes Loch besitzt die Masse von 21 Millionen Sonnen, wie der Co-Autor der Studie und MPIA-Forscher Remco van den Bosch durch eine Modellierung der Sternbewegungen in der Zwerggalaxie herausfand. Der Fund des Schwarzen Lochs legt nahe, dass es sich bei diesen Zwerggalaxien um Reste viel größerer Galaxien handelt, die bei Kollisionen mit anderen Galaxien große Teile ihrer Sterne und Masse verloren haben.

Die ebenfalls an den Beobachtungen beteiligte MPIA-Wissenschaftlerin Nadine Neumayer wertete dies als "sehr spannende Entdeckung". Auch einige der größten Sternhaufen in unserer eigenen Galaxie enthielten vermutlich ein Schwarzes Loch. "Da liegt nahe, dass es sich um die Kernregionen anderer Galaxien handeln könnte, die unsere Milchstraße sich im Laufe ihrer Entwicklung einverleibt hat", schlussfolgert die Co-Autorin der Studie. "Der Nachweis des Schwarzen Lochs in M 60-UCD1 passt genau in dieses Bild."

science.ORF.at/AFP

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