Standort: science.ORF.at / Meldung: "Speck hilft bei Nasenbluten"

Aufgeschnittener Rohschinken

Speck hilft bei Nasenbluten

Die Wirkung von Jesus-Toast, gesurtes Schweinefleisch gegen Nasenbluten und urinierende Hunde, die sich am Magnetfeld orientieren: Das sind nur drei Highlights, die gestern Abend an der US-Eliteuniversität Harvard mit den Ig-Nobelpreisen ausgezeichnet worden sind.

IG-Nobel 2014 19.09.2014

Zu der traditionell schrillen Gala mit mehr als 1.000 Zuschauern, die zum 24. Mal stattfand, reisten auch echte Nobelpreisträger an. Diese mussten am Ende auch die Papierflieger, die während der live im Internet übertragenen Show auf der Bühne landen, zusammenkehren. Dazwischen werden bizarre Kurzopern aufgeführt und Treffen mit den echten Nobelpreisträgern verlost. Die Ig-Nobelpreise werden jährlich für Forschungsarbeiten vergeben, die Menschen zuerst zum Lachen bringen und erst danach zum Denken.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 19.09. um 13:55.

Alle zehn Preisträger:

Biologie: Vlastimil Hart, Petra Novakova, Erich Pascal Malkemper, Sabine Begall, Vladimir Hanzal, Milos Jezek, Tomas Kusta, Veronika Nemcova, Jana Adamkova, Katerina Benediktova, Jaroslav Cerveny und Hynek Burda (Tschechien, Deutschland) für den Beweis, dass Hunde, die ihr Geschäft verrichten, sich bei der Ausrichtung ihrer Position am Magnetfeld der Erde orientieren
Physik: Kiyoshi Mabuchi, Kensei Tanaka, Daichi Uchijima und Rina Sakai (Japan) für eine Studie über die Gleitfähigkeit von Bananenschalen
Neurowissenschaft: Jiangang Liu, Jun Li, Lu Feng, Ling Li, Jie Tian und Kang Lee (China und Kanada), die erforscht haben, was in den Gehirnen von Menschen vorgeht, die das Gesicht von Jesus auf einem Stück Toast sehen
Psychologie: Peter K. Jonason, Amy Jones und Minna Lyons (Australien, Großbritannien und USA) für die Entdeckung, dass Menschen, die gewohnheitsmäßig lange wach bleiben, eher selbstverliebt, manipulativ und psychopathisch sind als Menschen, die früh aufstehen
Gesundheitswesen: Jaroslav Flegr, Jan Havlicek und Jitka Hanusova-Lindova sowie David Hanauer, Naren Ramakrishnan und Lisa Seyfried (Tschechien, USA, Indien) für die Untersuchung, ob es für den Verstand gefährlich ist, eine Katze zu besitzen
Kunst: Marina de Tommaso, Michele Sardaro und Paolo Livrea (Italien) für die Messung des Schmerzes, den Menschen beim Anblick eines hässlichen Bildes im Vergleich zu einem schönen Bild erleiden, während ein Laserstrahl auf ihre Hand zielt
Wirtschaft: Italiens nationales Statistik-Institut dafür, dass es für die Europäische Union die Führung dabei übernommen hat, die Größe der nationalen Wirtschaft um die Erträge aus Prostitution, illegalem Drogenhandel, Schmuggel und anderen ungesetzlichen finanziellen Transaktionen zu erweitern
Medizin: Ian Humphreys, Sonal Saraiya, Walter Belenky und James Dworkin (USA und Indien) für die Behandlung von nicht unter Kontrolle zu bekommenden Nasenbluten mit Streifen von gepökeltem Schweinefleisch
Wissenschaft der Arktis: Eigil Reimers und Sindre Eftestol (Norwegen) für Untersuchungen, wie Rentiere auf als Eisbären verkleidete Menschen reagieren
Ernährung: Raquel Rubio, Anna Jofre, Belen Martin, Teresa Aymerich und Margarita Garriga (Spanien) für ihre Studie zur Nutzung von Darmbakterien von Babys bei der Herstellung fermentierter Würstchen

Pinkelnde Hunde

Unter den Preisträgern war in diesem Jahr die deutsche Biologin Sabine Begall von der Universität Duisburg-Essen. Gemeinsam mit einem Team von Forschern fand sie heraus, dass Hunde, die ihr Geschäft verrichten, ihre Position am Magnetfeld der Erde ausrichten. Nach der Dankesrede verteilte sie Plastiktüten für Hundekot im Publikum.

Ig Nobelpreis 2014

AP

Die Trophäe des Ig-Nobelpreis 2014: Ein Mensatablett.

Ein Team aus Japan wurde für eine Studie über die Gleitfähigkeit von Bananenschalen ausgezeichnet. Wissenschaftler aus China und Kanada bekamen einen Ig-Nobelpreis (ignoble bedeutet auf Deutsch unwürdig), weil sie erforschten, was in den Gehirnen von Menschen vorgeht, die das Gesicht von Jesus auf einem Stück Toast sehen.

Schweinefleisch und "falsche" Eisbären

Eine Gruppe von Forschern aus den USA und Indien wurde ausgezeichnet, weil sie getestet hatten, wie starkes Nasenbluten mit Streifen aus gesurtem Schweinefleisch unter Kontrolle gebracht werden kann. "Und dabei bin ich doch Vegetarierin", sagte die Forscherin Sonal Saraiya in ihrer Dankesrede. "Da soll noch mal jemand sagen, dass Wissenschaft keinen Spaß macht."

Zwei Norweger wurden geehrt, weil sie erforscht hatten, wie Rentiere auf als Eisbären verkleidete Menschen reagieren.

Ein Team von Forschern aus Australien, Großbritannien und den USA erhält den Preis für die Entdeckung, dass Menschen, die gewohnheitsmäßig lange wach bleiben, eher selbstverliebt, manipulativ und psychopathisch sind als Menschen, die gewohnheitsmäßig früh aufstehen.

Mensa-Tablett als Preis

Insgesamt wurden bei der rund zweistündigen Gala zehn Ig-Nobelpreise verliehen. Die Trophäen bestanden in diesem Jahr aus einem Mensa-Tablett mit Besteck und Geschirr aus Plastik, dazu gab es eine Urkunde und eine Banknote über zehn Billionen simbabwische Dollar. Seit 2009 gibt es diese Währung faktisch nicht mehr. Mit ihr ist eine der höchsten Inflationsraten der Geschichte verknüpft.

Zum Abschluss der Gala gab es die gewohnte Verabschiedung von Marc Abrahams, Herausgeber einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu kurioser Forschung, der die Veranstaltung traditionell im zerrupften Zylinder moderiert: "Wenn Sie dieses Jahr keinen Ig-Nobelpreis gewonnen haben - und besonders dann, wenn sie einen gewonnen haben: mehr Glück im nächsten Jahr!"

science.ORF.at/dpa

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