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Lagerfeuer in der Nacht

Die Kultur gedieh am Lagerfeuer

Abendliche Lagerfeuer bescherten den Urmenschen vor rund 300.000 Jahren nicht nur mehr Zeit in der Helligkeit. Laut Untersuchungen einer US-Anthropologin trug das Feuer auch maßgeblich zur Entwicklung der Kultur bei.

Urgeschichte 23.09.2014

Wenn Biologen über die Vorzüge des Feuers für unsere Vorfahren sprechen, dann oft in Bezug zur Ernährung. Das Feuer, so lautet zumindest eine These, habe die Ernährungsweise der Hominiden verändert. Über dem Feuer gegarte Speisen waren leichter verdaulich und lieferten mehr Energie, notierte der US-Forscher Matt Sponheimer letztes Jahr in einer Studie. Sein Fazit: Das habe den Menschenartigen weiteres Hirnwachstum beschert und sie damit quasi klüger gemacht. Abgesehen davon war die Kontrolle des Feuers freilich auch in anderer Hinsicht von Vorteil.

Der Lichtschein schützte unsere Vorfahren etwa vor Kälte und wilden Tieren. Und er ermöglichte es ihnen, sich der Gemeinschaft zu widmen ohne die produktiven Aktivitäten des Tages zu vernachlässigen. Letzteres sei ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung des Sozialgefüges sowie der Kultur gewesen, schreibt die Anthropologin Polly Wiessner von der University of Utah nun im Fachblatt "PNAS".

Die Studie

"Embers of society: Firelight talk among the Ju/’hoansi Bushmen", PNAS (22.9.2014; doi: 10.1073/pnas.1404212111 ).

Abends wurden Geschichten erzählt

Für ihre Studie beobachtete Wiessner über ein halbes Jahr die Tagesabläufe der "Ju/'hoansi Kalahari Buschmänner" in Botsuana und Namibia. Sie stellte dabei fest, dass etwa 75 Prozent aller Gespräche am Tage der Organisation von Arbeit beziehungsweise der Regelung von sozialen Beziehungen galten.

In den Abendstunden wechselten die Themen deutlich. 81 Prozent der Unterhaltungen drehten sich um Geschichten und Erzählungen. Außerdem wurde getanzt und gesungen, auch religiöse Zeremonien spielten eine große Rolle. Für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft seien diese Aktivitäten sehr wichtig, schreibt die Forscherin in ihrem Artikel.

Am abendlichen Lagerfeuer werden demnach kulturelle Werte und Normen gefestigt und weitergeben, auch an Menschen aus anderen Kulturen. Wiessner sieht ihre Beobachtungen als ein Indiz dafür, welche großen Auswirkungen die Kontrolle des Feuers auf die soziale und kulturelle Evolution gehabt haben könnte.

Die US-Forscherin betont allerdings: Eins zu eins auf frühzeitliche Gemeinschaften könne man die Beobachtungen an indigenen Völkern nicht übertragen. Die urzeitliche Lebenswirklichkeit unserer Vorfahren lasse sich nur schwer rekonstruieren. Denn aus der Zeit, als der Mensch das Feuer zu kontrollieren lernte, gebe es keine schriftlichen Quellen. Archäologische Funde seien zwar verfügbar, würden aber vor allem Einblick in das "Arbeitsleben" geben. Die Religion und das Sozialleben der Urmenschen seien hingegen vergleichsweise unerforscht.

science.ORF.at/dpa

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