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Rekonstruktion: Kopf eines männlichen Hominiden

Älteste Spuren moderner Menschen in Europa

Der Ort Willendorf in der Wachau ist für seine Ausgrabungen bekannt. Neben die berühmte Venus treten nun Teile von Steinwerkzeugen, die Wiener Forscher ausgegraben haben: Sie sind über 43.000 Jahre alt und somit die ältesten Hinweise moderner Menschen in Europa.

Willendorf 23.09.2014

Unsere Vorfahren kamen vermutlich ein paar Tausend Jahre früher nach Mitteleuropa als bisher angenommen, schließen Forscher um Bence Viola, der die Arbeit am Department für Anthropologie der Universität Wien und dem Max-Planck-Institut für Anthropologie in Leipzig (Deutschland) durchgeführt hatte.

Durch das frühe Auftauchen der modernen Menschen sei die Zeitspanne größer, in der sie sich den Kontinent mit den Neandertalern teilten, so Viola. "Wir wissen, dass sie sich vermischt haben, denn alle heutigen Menschen außerhalb Afrikas tragen eineinhalb bis drei Prozente Neandertaler-DNA."

Die Studie:

"Early modern human settlement of Europe north of the Alps occurred 43,500 years ago in a cold steppe-type environment" von Philip Nigst und Kollegen ist am 21.9.2014 in den "PNAS" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 22. und 23. 9. Uhr.

Mehr Zeit für Austausch mit Neandertalern

Nach den neuen Daten hatten sie dafür mindestens 3.500 Jahre Zeit, denn die Neandertaler verschwanden nach dem derzeit aktuellen Wissen vor etwa 40.000 Jahren, erklärte der Anthropologe. Bis jetzt hatten verschiedene Wissenschaftler die Ankunft der modernen Menschen frühestens auf 41.500 oder knapp vor 40.000 Jahren vor heute geschätzt.

Die Forscher haben bei Grabungen zwischen 2006 und 2011 an der Fundstelle Willendorf II für moderne Menschen charakteristische "Lamellen"-Werkzeuge in einer Bodenschicht gefunden, die sie als 43.500 Jahre alt identifizierten. An diesem Platz war 1908 auch die berühmte, allerdings viel jüngere, rund 25.000 Jahre alte "Venus von Willendorf"-Statuette entdeckt worden.

Teile von Jagdwaffen

Lamellen sind kleine Steinartefakte, die bis zu einem Zentimeter breit und manchmal mehrere Zentimeter lang sind, und wahrscheinlich Teile von Jagdwaffen waren, so der Leiter der Studie, Philip Nigst, vom Department of Archeology and Anthropology der Universität Cambridge. Die in Willendorf gefundenen Lamellen seien typisch für eine Epoche der jüngeren Altsteinzeit, dem sogenannten Aurignacien.

Das damalige Klima und die Vegetation konnten die Forscher anhand unterschiedlicher Bodenanalysen herausfinden. Einerseits wurde der Bodentyp und die Bodenmorphologie charakterisiert, andererseits könne man auch durch die Zusammensetzung der Arten und Unterarten von Schnecken, deren Häuser in dieser Schicht vergraben sind, das Klima rekonstruieren, erklärte er. Dadurch habe man eine viel größere Genauigkeit erreicht, als nur mit Kohlenstoff(C14)-Datierungen, die mit bekannten Paläoklimadaten korreliert werden.

"Auf diese Art hätten wir nicht gewusst, in welcher von drei bis vier Warm- oder Kaltphasen der Eiszeit unser Fund liegt", sagte er. Erst die zusätzlichen Informationen würden den Zeitabschnitt so weit einengen, dass man sagen kann, die ersten modernen Menschen siedelten hier am Beginn einer warmen Phase innerhalb der Eiszeit, als hier eine Tundra-artige Steppe mit lichten Nadelwäldern war, so der Archäologe.

science.ORF.at/APA

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