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Aufnahme der Erde vom Wettersatelliten MSG-3

WWF: Erde steht vor dem "Burn-out"

Die Reserven der Erde nehmen nach Einschätzung der Umweltstiftung WWF in bedrohlichem Maße ab. Die Menschheit verbrauche demnach pro Jahr 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde im gleichen Zeitraum erneuern kann. Dazu zählen etwa Ackerland, Fischgründe und Wälder.

Umwelt-Bilanz 30.09.2014

Das geht aus dem "Living Planet Report 2014" hervor, der Ende September vorgestellt wurde. Leidtragende sind vor allem Tiere, wie der WWF-Bericht belegt: Zwischen 1970 und 2010 habe sich die Zahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische im Schnitt halbiert. Betroffen sind besonders die Tropen und Lateinamerika. Es drohe ein "globaler Burn-out".

Größter Faktor: CO2

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Für den Bericht wurden mehr als 10.000 Wildtierpopulationen von 3.000 Wirbeltierarten in der ganzen Welt erfasst. Auch der ökologische Fußabdruck der Menschheit ist wieder gestiegen. Macht die Menschheit weiter wie bisher, wären bis 2030 zwei komplette Planeten nötig, damit wir weiterexistieren können. Wenn alle Menschen so leben würden wie im Ölscheichtum Kuwait, würden wir fast sechs Planeten brauchen. Die Bewohner von Ländern wie Nepal und Pakistan benötigen im Vergleich hingegen nicht einmal einen halben Planeten.

Mehr als 50 Prozent des globalen ökologischen Fußabdrucks gehen auf die Freisetzung von Kohlendioxid zurück, das den Klimawandel anheizt und die Meere versauert. Europa und Nordamerika haben daran den größten, Afrika und die Südpazifik-Region den geringsten Anteil.

Pro-Kopf-Verbrauch: Österreich auf Platz 17

Österreich liegt mit seinem Pro-Kopf-Fußabdruck von 152 untersuchten Ländern auf Platz 17. Würden alle Menschen so leben wie die Österreicher, brauchte die Menschheit 3,1 Planeten, um die Bedürfnisse aller Menschen zu decken. Mehr als die Hälfte des ökologischen Fußabdrucks Österreichs fällt mit 57 Prozent auf die Freisetzung von Kohlendioxid, gefolgt vom landwirtschaftlichen Anbau mit 20 Prozent.

"Wir fällen Bäume schneller, als sie nachwachsen, fischen die Ozeane leer und produzieren doppelt so viel Kohlendioxid, wie die Atmosphäre, die Wälder und die Ozeane zusammen aufnehmen können", warnte die Umweltschutzexpertin Barbara Tauscher vom WWF. Die geschätzten Kosten aller Umweltschäden in der Welt betragen mehr als 6.000 Milliarden Euro, das sind mehr als elf Prozent des globalen Bruttoeinkommens. Dabei tragen die ärmeren Länder die Hauptlast der katastrophalen Folgen der globalen Umwelt- und Klimakrise, so der WWF.

Tierbestände in 40 Jahren halbiert

Die globalen Tierbestände sind von 1970 bis 2010 um 52 Prozent zurückgegangen, so der Bericht. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der untersuchten Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische damit halbiert. Am schlimmsten traf es die im Süßwasser lebenden Tiere, sie haben um mehr als drei Viertel abgenommen. Die tropischen Regionen leiden wesentlich mehr am Verschwinden der Wirbeltiere als die gemäßigten Zonen.

Besonders dramatisch ist die Lage in Lateinamerika, wo ein Verlust von 83 Prozent gemessen wurde. Auch in der asiatisch-pazifischen Region ist der Verlust enorm. Die Lebenswelt des Meeres ging um knapp 40 Prozent zurück. Besonders betroffen davon sind Seevögel, Meeresschildkröten und Haie.

Erfolge in Schutzgebieten

In ausgewiesenen Schutzgebieten, so die gute Nachricht, verschwinden nur halb so viele Tiere wie in nicht geschützten Gebieten. In Nepal ist die Zahl der Tiger durch intensive Schutzmaßnahmen sogar um zwei Drittel gestiegen. Dramatisch hingegen ist die Situation in Südafrika, wo die Zahl der gewilderten Nashörner von 13 Tieren im Jahr 2007 auf mehr als 1.000 im Jahr 2013 stieg.

Fazit des WWF: "Wir müssen die Artenvielfalt so gut wie möglich bewahren und neue Strategien entwickeln, wie wir nachhaltiger produzieren und konsumieren. Außerdem müssen wir die internationalen Finanzströme umleiten und die vorhandenen Ressourcen gerechter verteilen. Sonst wird es nicht möglich sein, dass im Jahr 2050 9,6 Milliarden Menschen ein nachhaltiges Leben führen können", so Tauscher.

science.ORF.at/APA/dpa

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