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Füße gehen auf einem Steg bei einem Gewässer

Glücklicher gehen, glücklicher sein

Gebeugt und unbeweglich oder aufrecht und leichtfüßig - schon am Gang lässt sich erkennen, ob jemand traurig oder glücklich ist. Forschern zufolge gilt das auch umgekehrt. Demnach bessert sich die Stimmung allein dadurch, dass man fröhlichen Schrittes unterwegs ist.

Embodiment 20.10.2014

Der Körper als Spiegel

Die Studie in "Behavior Therapy and Experimental Psychiatry":

"How we walk affects what we remember: Gait modifications through biofeedback change negative affective memory bias" J. Michalak et al., erscheint im März 2015.

Seelische Befindlichkeiten spiegeln sich im körperlichen Habitus. Das ist offensichtlich und lässt sich im Alltag häufig beobachten. Seit einiger Zeit untersuchen auch Forscher systematisch den Zusammenhang zwischen Geist und Körper, Stichwort Embodiment: Alles Denken und Fühlen braucht demnach auch einen Körper und dieser wiederum prägt unser ganzes Erleben. Der Einfluss geht letztlich in beide Richtungen.

Das Team um Johannes Michalak von der Universität Hildesheim beschäftigt sich in seiner Arbeit mit dem Gang von Menschen. In früheren Studien konnten die Forscher dabei unter anderem feststellen, wie sich eine depressive Verfassung körperlich ausdrückt. Man könne sie förmlich ablesen: Die Schultern hängen, die Arme sind beinahe statisch und die Schritte schwer. Glückliche Menschen sind vergleichsweise leichtfüßig unterwegs.

Gezielte Beeinflussung

In ihrer aktuellen Untersuchung wollten sie nun herausfinden, ob man die Stimmung auch gezielt manipulieren kann, nämlich durch einen entsprechenden Gang. Vorerst bekamen die 39 Probanden eine Liste von eher positiven oder negativen Adjektiven vorgelegt, z.B. "schön" und "ängstlich". Danach wurden sie auf ein Laufband gestellt, auf dem sie sich fortbewegen sollten, während die Forscher den Gang und die Haltung erfassten. Mittels optischen Feedbacks wurden die Teilnehmer subtil in die eine oder andere Richtung beeinflusst, sodass ihr Gang entweder trauriger oder glücklicher wurde.

Anschließend wurden sie zum Erinnerungstest gebeten. Dabei sollten sie möglichst viele der zuvor gelesenen Adjektive aufschreiben. Wie erwartet, konnte sich jene, die sich in depressiver Haltung bewegt hatten, an deutlich mehr negative als positive Wörter erinnern. Bei den glücklichen Gehern war das Verhältnis umgekehrt. Laut den Forschern legt dies nahe, dass die Gangart tatsächlich die Stimmung beeinflusst.

Es sei bekannt, dass die Stimmung unser Erinnerungsvermögen prägt. Klinisch depressive Patienten erinnern sich meist an viel mehr negative Ereignisse in ihrem Leben als an positive. Daraus ergibt sich oft ein Teufelskreis, sie fühlen sich immer noch schlechter. Die neuen Erkenntnisse könnten ein Weg sein, diesen zu durchbrechen. Schon jetzt weiß man, dass Bewegung bei Depressionen hilft. Vielleicht sollte man noch mehr auf die Art der Bewegung achten. D.h., sie sollte zumindest so aussehen, als wäre man glücklich - vielleicht kann man dadurch auch wirklich etwas weniger traurig werden.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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