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Sich teilende Krebszelle.

Bindegewebszellen "füttern" Tumorzellen

Wie fördern Bindegewebszellen das Tumorwachstum? Wiener Bioanalytiker haben mit Hilfe eines neuen Verfahrens möglicherweise eine Antwort auf diese Frage gefunden. Sie konnten entscheidende Moleküle erkennen und aus klinischen Proben nachweisen, dass sie Krebszellen regelrecht "füttern".

Bioanalytik 21.10.2014

Christopher Gerner, Vorstand des Instituts für Analytische Chemie der Universität Wien, hat mit Georg Pfeiler von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien und einem interdisziplinären Team das neue Analyseverfahren entwickelt.

Futter auch für Krebszellen

Gewebe sind aus unterschiedlichen Zelltypen aufgebaut, welche jeweils spezifische Aufgaben erfüllen. Brustgewebe ist im Wesentlichen aus Epithelzellen und Fibroblasten aufgebaut. Im Falle von Brustkrebs können Epithelzellen zu Krebszellen entarteten, und Fibroblasten (Bindegewebszellen) können in kritischer Weise funktionell verändert sein.

Eine typische Aktivität von krebsassoziierten Fibroblasten (cancer-associated fibroblasts, CAFs) gleicht dem Bemühen dieser Zellen, eine Wunde heilen zu wollen. Die dabei abgesonderten Wachstums- und Überlebensfaktoren sind bereits in geringsten Konzentrationen hochaktiv und helfen nicht nur der Wundheilung, sondern werden eben im Falle von Krebs für unerwünschtes Krebswachstum missbraucht.

Aktivitäten direkt nachgewiesen

Die analytische Herausforderung war nun, aus Nadelbiopsie-Proben mit einem Gemisch verschiedenster Zelltypen möglichst viele krankheitsbeeinflussende Proteine zu identifizieren. Mittels moderner massenspektrometrischer Analysen konnten zunächst in den Gewebeproben von Brustkrebspatientinnen viele Tausend Proteine erfolgreich erkannt werden.

In der Folge gelang es erstmals, die Aktivitäten der Fibroblasten direkt nachzuweisen - mit dem Ergebnis, dass wie im In-vitro-Modell auch die menschlichen Zellen im Gewebe eine deutliche Wundheilungs-Signatur und somit krebsfördernde Aktivitäten aufzeigen.

Medikamente können getestet werden

"Es kann damit prinzipiell bei jeder einzelnen Patientin festgestellt werden, wie stark bei ihr die Wundheilungsaktivität ausgeprägt ist. Das ist eine entscheidende Voraussetzung, um eine gezielte Einflussnahme planen zu können. Für die klinische Routine ist das aber noch Zukunftsmusik", so Georg Pfeiler in einer gemeinsamen Aussendung der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien. "Wir arbeiten bereits daran, einen derartigen Status auch aus Serumproben erheben zu können", ergänzte Gerner.

Darüber hinaus kann nun das etablierte Zellmodell dazu verwendet werden, Medikamente zu testen, die diese unerwünschten Zell-Aktivitäten gezielt hemmen sollen. Derzeit arbeiten mehrere Doktoranden an der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien an der Umsetzung dieses Forschungsvorhabens.

science.ORF.at/APA

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