Standort: science.ORF.at / Meldung: "USA beschäftigten 1.000 Nazis als Spione"

Der US-Spion und ehemalige Nazi, Aleksandras Lileikis

USA beschäftigten 1.000 Nazis als Spione

US-Geheimdienste haben laut Informationen der "New York Times" während des Kalten Krieges mindestens 1.000 Ex-Nazis als Spione oder Informanten angeheuert. Geheimdienstleiter wie FBI-Chef J. Edgar Hoover und CIA-Direktor Allen Dulles hätten in den 50er Jahren "aggressiv einstige Nazis jeglichen Rangs rekrutiert".

Zeitgeschichte 27.10.2014

Die Zeitung bezieht sich in einem aktuellen Bericht auf jüngst freigegebene Aktenaufzeichnungen und Interviews. Der Wert der Nationalsozialisten für die Arbeit gegen die Russen und Kommunisten habe für die Dienste mehr Gewicht gehabt als die "moralischen Fehltritte" bei ihrer Arbeit für das NS-Regime.

Insgesamt hätten das US-Militär, die CIA, das FBI und andere Geheimdienste mindestens 1.000 Ex-Nazis und Kollaborateure nach dem Zweiten Weltkrieg angestellt, fasst Richard Breitman von der American University in Washington zusammen. Der Holocaust-Experte wertete in einem von der Regierung benannten Team die einst unter Verschluss gehaltenen Akten aus.

Belohnung auch für Eichmann-Gehilfen

Die Geheimdienste hätten jene Agenten auch vor Strafverfolgung geschützt. So habe die CIA etwa einen SS-Offizier als Spion engagiert, obwohl er sich aus ihrer Sicht wahrscheinlich "geringerer Kriegsverbrechen" schuldig gemacht habe. 1994 seien Behörden vom US-Geheimdienst bedrängt worden, Ermittlungen gegen Aleksandras Lileikis, einen ehemaligen Spion, der mit dem Massaker an Zehntausenden Juden in Litauen in Verbindung gebracht wurde (siehe Bild), fallenzulassen.

Otto von Bolschwing, ein weiterer SS-Offizier, der für die CIA in Europa als Spion arbeitete, war in seinem früheren Leben Topgehilfe von Adolf Eichmann, dem Leiter des für die Organisation der Deportation der Juden zuständigen Referats im Reichssicherheitshauptamt. Ihn siedelte die CIA laut den Aufzeichnungen "als Belohnung für seinen loyalen Dienst nach den Krieg" samt Familie 1954 in die USA um.

Der Artikel in der "New York Times" stammt von dem Journalisten Eric Lichtblau, der kürzlich auch ein Buch zu dem Thema ("The Nazis Next Door") veröffentlicht hat.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zu dem Thema: