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Künstlerische Darstellung eines Exoplaneten

Exoplaneten: Gibt es Leben im Universum?

Wenn man Exoplaneten erforscht, geht es im Kern immer um zwei Fragen: Gibt es im Universum Planeten, die der Erde ähneln? Und gibt es dort Leben, welcher Art und Gestalt auch immer? Der Schweizer Astrophysiker Willy Benz hält das durchaus für wahrscheinlich, da es Milliarden von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gibt.

"Rosetta"-Schwerpunkt 08.11.2014

Über 1.000 Exoplaneten bis jetzt identifiziert

Der Countdown läuft: Am kommenden Mittwoch, am 12. November, soll ein Minilabor auf dem Kometen "67 P/Tschurjumow-Gerassimenko" in Millionen Kilometer Entfernung von der Erde landen. Ziel der Mission ist: mehr über unser eigenes Sonnensystem zu lernen.

Noch einen Schritt weiter gehen Wissenschaftler wie Willy Benz von der Universität Bern in der Schweiz. Sie befassen sich mit jenem Teil des Universums, das über unser Sonnensystem hinausgeht. Im Mittelpunkt des Interesses sind extrasolare Planeten, kurz Exoplaneten, über 1.000 hat man bis jetzt gefunden.

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Über die "Rosetta"-Mission und den ersten Versuch, auf einem Kometen zu landen, berichten die Zeit im Bild, die Ö1 Journale, Ö1 Wissen aktuell und ORF.at.

Exoplaneten diverser als gedacht

Erst seit 20 Jahren weiß man wissenschaftlich gesichert, dass es Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gibt. Damals, im Jahre 1995, haben zwei Schweizer Kollegen von Willy Benz den ersten Exoplaneten definitiv entdeckt. Michel Mayor vom Department für Astronomie der Universität Genf und seinem Mitarbeiter Didier Queloz war es gelungen, mit Hilfe der sogenannten Radialgeschwindigkeitsmethode ein Gestirn als Planeten zu identifizieren. Er trägt den Namen: 51 Pegasi b.

"Bis dahin hatte man immer gemeint, dass Planetensysteme im Universum ungefähr so ähnlich sein werden, wie das Sonnensystem: kleine Planeten nahe beim Stern, große Planeten wie Jupiter, Saturn weiter weg vom Stern." Dem ist aber ganz und gar nicht so, Exoplaneten sind vielfältiger als sich der Mensch bis vor kurzem vorstellen konnte, sagt der Astrophysiker Willy Benz.

"Wir haben gelernt, dass Planeten sehr häufig sind im Universum. Jeder zweite Stern hat Planeten. Wenn wir nach Leben suchen wollen, sind Planeten wichtig, denn nur auf Planeten kann es Leben geben, Sterne - wie etwa unsere Sonne - eignen sich nicht dafür. Heute wissen wir also, dass es zumindest so viele Planeten - wenn nicht mehr - gibt wie Sterne, nämlich Milliarden."

Höhere Chance auf außerirdisches Leben?

Durch die große Menge an Exoplaneten steigt die Chance, dass wir Menschen nicht alleine im Universum sind. Ob wir andere Lebensformen aber jemals finden können - oder sie uns, bleibt fraglich. Denn wie soll man etwas suchen, das man nicht kennt?

"Und so sucht man halt etwas, das man schon kennt", sagt Benz. Eine Begründung, warum wir nach unserer Art des Lebens - also Wasser und Kohlenstoff basiert - suchen, ist, dass wir der lebendige Beweis dafür sind, dass diese Art des Lebens funktioniert. "Andere Formen kennen wir nicht".

Europäische Exoplaneten-Mission soll 2017 starten

Derzeit werden Exoplaneten meist über große Hightech-Teleskope, wie etwa jenes der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile identifiziert. Im Dezember 2017 soll zusätzlich ein Satellit mit dem Namen "CHEOPS" - unter wissenschaftlicher Führung von Willy Benz - starten. Das Ziel von "CHEOPS" sind nahe gelegene helle Sterne, von denen man weiß, dass sie von Exoplaneten umkreist werden.

Aus Sicht von Astrophysiker Benz leben wir in aufregenden Zeiten, "weil wir jetzt zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit in der Lage sind, Teleskope, Instrumente und Satelliten zu bauen, die eine wissenschaftliche Antwort geben können auf die Frage, ob es Leben anderswo gibt oder nicht."

Gudrun Stindl, Ö1 Wissenschaft

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