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Erstes von Philae gemachtes Bild von der Oberfläche des Kometen "Tschuri"

Erste Bilder von der Oberfläche

Am Mittwochnachmittag ist die erste Landung auf einem Kometen gelungen - allerdings nicht ohne Probleme. Das Minilabor "Philae" ist vermutlich erst nach einigen Hopsern endgültig auf "Tschuri" gelandet. Donnerstagfrüh konnten Kontrolleure wieder Kontakt zu dem kühlschrankgroßen Gerät aufnehmen - und es gibt erste Bilder von der Oberfläche des Kometen.

"Philae" 13.11.2014

"Die Verbindung läuft gut", sagte ein Sprecher im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Darmstadt. In der Nacht hatte es wie erwartet eine Zwangspause wegen eines Funklochs gegeben. Das Labor scheine in einem "sehr soliden" Zustand zu sein.

Gar dreimal gelandet?

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln wollte Daten prüfen, nach denen "Philae" nicht nur - wie gestern vermutet - zweimal auf dem Kometen aufgesetzt haben könnte, sondern sogar noch ein drittes Mal. "Die Vermutung liegt nahe", sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz. "Sicher ist es aber erst, wenn die Daten ausgewertet sind." Das könnte womöglich noch am Donnerstag klar sein.

Erstes von Philae gemachtes Bild von der Oberfläche des Kometen "Tschuri"

ESA/Rosetta/Philae/CIVA

Kombination von zwei Bildern von der Oberfläche des Kometen "Tschuri"; links zu sehen ist eines der drei Landebeine von "Philae"

Die Landung ist eine Premiere in der Geschichte der Raumfahrt. Beim Aufsetzen auf "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" gab es am Mittwoch aber Schwierigkeiten. Zwei Harpunen zum Verankern von "Philae" auf "Tschuri" wurden nicht ausgelöst, eine Düse zum Aufdrücken des Labors auf dem Kometen funktionierte nicht.

Der Chef des ESA-Flugbetriebs im Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt, Paolo Ferri, ging am Donnerstag davon aus, dass "Philae" trotzdem auf dem Kometen bleiben wird. "Dass das Minilabor wieder abhebt, bezweifle ich sehr. Es ist zur Ruhe gekommen."

Ursache für fehlende Verankerung noch unklar

Die Ursache, warum die Fixierung des Landegerätes "Philae" durch Harpunen auf dem Kometen nicht geklappt hat, ist noch unklar, sagte Wolfgang Baumjohann, Chef des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften. Möglicherweise seien die Auslöseimpulse am Boden zu schwach gewesen, um den Verankerungsmechanismus auszulösen.

Das IWF in Graz war an der Entwicklung von fünf Instrumenten an Bord von Rosetta beteiligt - u.a. auch an einem Messinstrument in der Harpunenverankerung. Der Ankermechanismus selbst ist aber in Deutschland entwickelt worden, daher könne er auch nichts über die nicht glatt gelaufene Verankerung sagen, betonte Baumjohann.

"Es ist natürlich schade, dass wir jetzt keine entsprechenden Daten erhalten. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die anderen Messgeräte erwartungsgemäß arbeiten und Daten sammeln können", so Baumjohann. Er gehe davon aus, dass die Rosetta-Projektleitung sich jetzt zuerst auf die Messergebnisse dieser Instrumente konzentriere und dann möglicherweise den Versuch unternehmen werde, von der Erde aus die Ankerharpunen auszulösen. "Das ist allerdings ein Risiko. Das wird man wohl erst versuchen, wenn die anderen Geräte das Wichtigste erledigt haben", so Baumjohann.

Instrumente arbeiten

In den ersten Stunden nach der Landung hätten bereits wichtige Daten gesammelt werden können, sagte Paolo Ferri in Darmstadt. Neben Fotos sei es etwa gelungen, das Tomographieprojekt "Consert" zu starten. Dabei durchleuchten "Philae" und die Sonde "Rosetta" den Kometen in Teamarbeit. Wissenschaftler wollen mit der Mission einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems werfen, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstand.

Das Labor war mit "Rosetta" durch das All gereist und dann ausgesetzt worden. Bis zur Landung vergingen zehn Jahre, acht Monate und zehn Tage.

science.ORF.at/dpa/APA

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