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Geometrische Gravur auf einer Muschel aus Java

Älteste geometrische Muster entdeckt

Sorgfältig geritzte Linien in Form eines M: Schon der Frühmensch Homo erectus war wohl in der Lage, exakte Gravuren herzustellen. Unklar sei ihre Bedeutung, erklären Forscher. Sie haben die bisher ältesten bekannten von Urmenschen geschaffenen geometrischen Muster entdeckt, auf Muscheln von der indonesischen Insel Java.

Kulturgeschichte 04.12.2014

Die Gravuren sind ihnen zufolge zwischen 430.000 und 540.000 Jahre alt. Damit sind die eingeritzten Linien mehr als 300.000 Jahre älter als die bisher ältesten unbestritten menschlichen Gravuren.

Überreste von Muschelmahlzeiten

Die Studie in "Nature":

"Homo erectus at Trinil on Java used shells for tool production and engraving" von Josephine C. A. Joordens et al., erschienen am 4. Dezember 2014.

Das Team um Josephine Joordens von der Universität Leiden hatte Muscheln, Haizähne und andere Gegenstände aus der Sammlung Dubois des Nationalen Naturgeschichtlichen Museums Naturalis in Leiden untersucht. Der niederländische Anthropologe Eugène Dubois hatte die Stücke 1890 in Trinil auf Java eingesammelt, wo er bald darauf auch die ersten Knochen eines Urmenschen fand, der heute als Homo erectus bekannt ist.

Muschel von Java mit dem typischen Loch

Henk Caspers, Naturalis, Leiden, The Netherlands

Loch an der Stelle des Verbindungsmuskel.

Bei den Muscheln fiel den Forschern auf, dass die Schalen nur von erwachsenen Tieren stammen. Es handele sich sehr wahrscheinlich nicht um eine natürliche Muschelpopulation, sondern um die Überreste von Muschelmahlzeiten. Zudem haben fast 80 Prozent der gefundenen Schalen ein Loch an jener Stelle, an der bei der lebenden Muschel ein Muskel mit der Schale verbunden ist. Die Forschergruppe folgert, dass Homo erectus bewusst diese Stelle angebohrt hat, um die Muschel öffnen zu können und an das Fleisch zu gelangen.

Sorgfältig geritzte Linien

Muschel mit geometrischen Gravuren

Wim Lustenhouwer, VU University Amsterdam

Eine Muschel mit eingeritzten Linien.

Mehrere Muscheln zeigen zudem Spuren, die darauf hindeuten, dass sie als Werkzeuge fürs Schneiden und Schaben verwendet wurden. Eine äußere Schalenschicht weist eine Reihe von sorgfältig eingeritzten Linien auf, darunter in Form des Buchstabens M und eines spiegelverkehrten N. "Es gibt keine Lücken zwischen den Linien an den Wendepunkten, was nahelegt, dass darauf geachtet wurde, ein gleichmäßiges Muster zu schaffen", schreiben Joordens und Kollegen. Sie führten Experimente an ähnlichen Muscheln durch und demonstrierten, dass die Gravuren von einem Haizahn stammen können.

Das Ergebnis war für die Wissenschaftler überraschend, weil bisher als wissenschaftlich gesichert galt, dass nur der moderne Mensch, Homo sapiens, in der Lage war, solch exakte Gravuren herzustellen. "Obwohl es derzeit nicht möglich ist, die Funktion oder Bedeutung der gravierten Muschel zu bewerten, weist die Entdeckung darauf hin, dass das Einritzen abstrakter Muster im Rahmen der geistigen und motorischen Fähigkeiten des asiatischen Homo erectus lag", heißt es in der Studie.

science.ORF.at/APA/dpa

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