Standort: science.ORF.at / Meldung: "Fast 269.000 Tonnen Plastik schwimmen im Meer"

Ein Plastiksack schwimmt auf einem Korallenriff.

Fast 269.000 Tonnen Plastik schwimmen im Meer

Mülldeponie Ozean: Forscher haben untersucht, wie viel Plastik in den Meeren herumschwimmt. Sie kamen auf die unglaubliche Menge von mehr als fünf Billionen Plastikteilen mit einem Gesamtgewicht von fast 269.000 Tonnen.

Hochrechnung 11.12.2014

Der Großteil dieses Mülls besteht aus Krümeln und befindet sich in großen subtropischen Meereswirbeln. Das berichtet eine internationale Forschergruppe um den US-amerikanischen Umweltschützer Marcus Eriksen vom Five Gyres Institute in Los Angeles.

Daten zusammengetragen

Dass die Ozeane mit großen Mengen Plastikmüll verschmutzt sind, ist bekannt. Doch eine genaue Abschätzung dieses Problems ist schwierig. Eriksen und seine Kollegen haben für ihre Berechnung nun Daten aus 24 Untersuchungen mit mehr als 1.500 einzelnen Sammlungen und Beobachtungen zusammengetragen.

Diese umfassen nicht nur alle fünf subtropischen Meereswirbel - kreisförmige Strömungen, an denen sich besonders viel Müll sammelt -, sondern auch belebte Küstengebiete vor Australien, den Golf von Bengalen und das Mittelmeer. Zudem decke die vorliegende Studie erstmals auch größere Plastikteile mit mehr als fünf Millimetern Durchmesser ab, erklären die Forscher.

Krümel am Nordpol

Mit Hilfe der gesammelten Daten errechneten Eriksen und seine Kollegen die Verbreitung von Plastikmüll in allen Weltmeeren. Mindestens 5,25 Billionen Plastikteilchen mit einem Gesamtgewicht von fast 269.000 Tonnen treiben der Studie zufolge auf den Ozeanen. In der Nähe von Küsten sind große Stücke häufiger, beispielsweise Flaschen und Styroporteile.

Eine Plastikflasche am Strand.

AP

Als Flasche liegt es noch am Strand, als kleine Teile wird es bis zum Nordpol getrieben: Plastik

In den Ozeanwirbeln werden diese großen Stücke dann zusehends zerkleinert, erklären die Forscher. Die kleinsten Krümel finden sich in abgelegenen Gebieten nahe dem Nordpol. Das deute darauf hin, dass die Wirbel den Plastikmüll wie ein Reißwolf zerkleinern und dann wieder im Ozean verteilen.

Kleine Teile sinken ab

Ein Vergleich der Mengen an großem Plastikmüll und den daraus entstehenden Kleinteilchen ergab, dass ein großer Teil dieses sogenannten Mikroplastiks von der Meeresoberfläche verschwindet, berichten die Forscher.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Müllteppiche in den fünf subtropischen Meereswirbeln nicht die letzte Ruhestätte des umhertreibenden Plastikmülls sind", sagte Eriksen in einer Pressemitteilung des Journals. Die Krümel könnten zum Beispiel durch Absinken oder Zersetzung in tiefere Meeresregionen gelangen.

"Einwirken auf gesamten Lebensraum"

Am Meer schwimmender Plastikmüll von unten fotografiert.

AP

Im Meer schwimmender Plastikmüll von unten fotografiert

In einer im April 2014 ebenfalls in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlichten Studie, die den Müll auf dem Meeresgrund vor Europa untersuchte, fanden Forscher beispielsweise an allen untersuchten Stellen des Meeresbodens Abfälle - von den Küsten bis in die Tiefseegräben. "Der Endeffekt des Mikroplastiks ist sein Einwirken auf den gesamten Lebensraum Meer", betonte Eriksen.

Laut einem Bericht des UNO-Umweltprogramms UNEP gelangen jedes Jahr rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Meer. Dieser gefährdet die Umwelt in vielerlei Weise: Tiere - insbesondere Meeressäuger, Schildkröten und Vögel - können sterben, wenn sie den Müll fressen oder sich darin verfangen. Auch können giftige Substanzen angereichert oder die Ausbreitung invasiver Arten gefördert werden. Durch die Haltbarkeit von Plastik bleibt das Problem lange bestehen.

Auch Binnengewässer betroffen

Aber nicht nur im Meer, auch in den Binnengewässern wird der Plastikmüll - insbesondere die Mikroplastikteilchen - zusehends zum Problem. Eine im März 2014 im Fachjournal "Environmental Pollution" veröffentlichte Studie zeigte beispielsweise, dass in der Donau stellenweise mehr Plastikpartikel als Fischlarven treiben.

Und auch am italienischen Gardasee liegen Plastikkrümel in manchen Uferbereichen so dicht wie an Meeresstränden, berichteten deutsche Forscher im Oktober 2013 in der Fachzeitschrift "Current Biology". In Schnecken, Muscheln und anderen Tieren ließen sich Mikropartikel nachweisen. Es sei anzunehmen, dass Gewässer in der Nähe von städtischen Zentren und Industriegebieten noch viel stärker belastet seien.

science.ORF.at/APA/dpa

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