Standort: science.ORF.at / Meldung: "Goldnanopartikel sorgen für gesunde Karpfen"

Ein Fischer haelt einen etwa drei Kilogramm schweren Spiegelkarpfen

Goldnanopartikel sorgen für gesunde Karpfen

Karpfen zählen zu Weihnachten nach wie vor zu den beliebtesten Gerichten. Zurzeit sind die Bestände in Österreich gesund, es gibt aber ein Virus, das die Fische weltweit bedroht - und dagegen haben Wiener Forscher nun eine schnelle Diagnosemöglichkeit entwickelt, die auf winzigen Goldteilchen beruht.

Veterinärmedizin 23.12.2014

619 Tonnen pro Jahr in Österreich

Wird der Gemeine Karpfen (Cyprinus carpio) gut und artgerecht gezüchtet, ist er weit weniger fett als sein Ruf, und sein Verzehr nicht nur bekömmlich, sondern auch gesund. In Österreich wird er in Teichen mit einer Gesamtfläche von knapp 3.000 Hektar produziert, ein Großteil davon liegt im niederösterreichischen Waldviertel und in der westlichen Steiermark. 619 Tonnen Karpfen wurden im Vorjahr laut Statistik Austria bundesweit hergestellt. Das bedeutet Rang Zwei bei der Speisefischproduktion hinter den Forellen, von denen ungefähr doppelt so viele gezüchtet wurden.

Der Gesundheitszustand der Fische wird routinemäßig untersucht, und in der Regel gilt: "Österreichische Karpfen sind gesund!". Das sagt Mona Saleh von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Sie hat mit Kollegen das schnelle diagnostische Verfahren entwickelt, das dafür sorgen soll, dass das auch so bleibt.

Erstmals angewandt wurde die Methode vor drei Jahren bei Aeromonas salmonicida - das sind Bakterien, die bei Fischen eine Infektionskrankheit auslösen können. Auch bei den Erregern der Europäischen Faulbrut, die Bienen bedrohen, hat sie bereits funktioniert.

Koi-Herpesvirus erstmals 1997 aufgetaucht

Die Studie:

"Gold Nanoparticles as a Potential Tool for Diagnosis of Fish Diseases" von Mona Saleh und Kollegen ist vor kurzem in der Fachzeitschrift "Veterinary Infection Biology: Molecular Diagnostics and High-Throughput Strategies Methods in Molecular Biology" erschienen.

Links:

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 23.12., 13:55 Uhr.

Nun hat das Team um Saleh das Verfahren erfolgreich bei einem Virus eingesetzt, der Karpfen bedroht: das Koi-Herpesvirus. "Es verursacht jährlich massive Schäden in der Produktion von Karpfen weltweit", sagt Saleh. "Neben den Nutzkarpfen sind auch die bunten Varianten des Karpfens, die Koi, betroffen." Vermutlich hat der unkontrollierte Transport der farbigen Fische zwischen Züchtern, Händlern und Hobbyhaltern zur raschen Verbreitung des Virus beigetragen.

Ein Fischmeister praesentiert einen “ Waldviertler Karpfen“ aus einer Haelteranlage in Heidenreichstein.

APA - Robert Jäger

Ein Fischmeister präsentiert einen “ "Waldviertler Karpfen"

Ausgebrochen ist die Krankheit zum ersten Mal 1997 in Deutschland, seither kommt es rund um den Globus immer wieder zu Krankheitswellen. Auch in Österreich tritt das Virus auf, in den vergangenen zwei Jahren gab es laut Saleh aber jeweils nur einen Fall. "Die Krankheit tritt bei uns eher im Sommer auf, in Verbindung mit höheren Temperaturen und Stress für die Fische."

Das Virus gilt als hoch ansteckend. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, sterben innerhalb von zwei Wochen 80 bis 100 Prozent einer Population. Die Krankheit kann bisher nicht direkt bekämpft werden, deshalb ist es wichtig, erkrankte Tiere so schnell wie möglich zu erkennen und zu isolieren.

Wenn Lösung blau wird, ist das Virus vorhanden

Genau das kann die Methode von Mona Saleh und ihren Kollegen. Zuerst entnehmen die Forscher dabei aus dem Gewebe der Karpfen DNA und bringen es in einer Salzlösung mit den Goldnanopartikeln und bestimmten chemischen Molekülen zusammen: Diese sogenannten Primer sind spezifisch auf das Koi-Herpesvirus zugeschnitten. Wenn das Virus in der Probe vorhanden ist, verbindet sich seine DNA mit dem Primer, und die Goldnanopartikel sorgen dafür, dass sich die gesamte Flüssigkeit blau verfärbt.

Ist die Gewebsprobe hingegen virusfrei, dann verändert sich an der Farbe nichts - sie bleibt rötlich-gold. "Das ganze dauert nach der DNA-Extraktion maximal 30 Minuten", sagt Mona Saleh. "Für andere molekulardiagnostische Methoden benötigt man in der Regel mindestens sechs Stunden, um Ergebnisse zu erhalten."

Die Pharmazeutin und Veterinärbiologin ist davon überzeugt, dass die Methode auch bei vielen anderen Erregern eingesetzt werden kann und vergleicht ihre Wirkung mit dem in der Molekularbiologie viel verbreiteteren PCR-Verfahren.

Beim Karpfen funktioniert es jedenfalls ausgezeichnet, und den isst sie selbst auch sehr gerne, wie sie gegenüber science.ORF.at verrät. Die Ägypterin, die zuvor an der Tiermedizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München promovierte und gearbeitet hat und nun seit vier Jahren an der Klinischen Abteilung für Fischmedizin der Vetmed in Wien forscht, hat ein Werkzeug entwickelt, damit das auch in Zukunft gefahrlos geschehen kann.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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