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Künstlerische Illustration von "Rosetta", die über dem Kometen schwebt

"Rosetta"-Mission zum Durchbruch 2014 gekürt

Eine Premiere im Weltall ist der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres: Die Mission der Raumsonde "Rosetta" mit der ersten Landung eines Minilabors auf einem Kometen ist aus Sicht des Fachmagazins "Science" der Durchbruch des Jahres 2014.

Top Ten 19.12.2014

Die Daten werfen ein neues Licht auf die Entstehung und Entwicklung solcher Kometen, begründen die Herausgeber ihre Entscheidung. Zudem mache die Mission weitere Forschung überhaupt erst möglich. Manche Experten vergleichen das Projekt sogar mit der Mondlandung 1969. Forscher erhoffen von der "Rosetta"-Mission neue Erkenntnisse zur Entstehung des Sonnensystems und des Lebens. Dass die Landung auf dem Kometen als wissenschaftliche Errungenschaft des Jahres eingestuft wird, kommt daher wenig überraschend.

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Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in "Wissen aktuell" am 19.12. um 13.55 Uhr.

Zehn Jahre lang reiste "Rosetta" zu dem kosmischen Brocken "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" und setzte dort am 12. November das Mini-Labor "Philae" ab. In Kometen stecken die wahrscheinlich ältesten weitgehend unveränderten Reste aus der Zeit, in der sich das Sonnensystem vor 4,6 Milliarden Jahren bildete. Wissenschaftler hoffen, mit den Daten auch herauszufinden, wie das Leben auf der Erde entstand. "Rosetta" und "Philae" haben insgesamt etwa 20 Instrumente an Bord.

Weitere Highlights

Abdrücke von Händen

Kinez Riza

Die Höhlenmalerei aus Indonesien.

Zu den weiteren Top Ten Durchbrüche 2014 im Überblick zählt die älteste Höhlenmalerei der Welt aus Indonesien. Ein Forscherteam datierte Zeichnungen aus einer Kalksteinhöhle auf der Insel Sulawesi auf ein Alter von etwa 40.000 Jahren. Sie sind damit vier Mal so alt wie angenommen. Europa galt bisher als Heimat der ältesten symbolischen Kunst.

Die Erweiterung des Alphabets des Lebens hat es auch unter die Top Ten geschafft. Forscher haben dafür der DNA eines Bakteriums zu den üblichen vier Basen-Buchstaben zwei weitere eingearbeitet. Zuvor war so etwas noch nie bei einem Lebewesen gelungen. Die Forscher schufen damit einen halbsynthetischen Organismus. Forscher könnten nun herausfinden, ob die erweiterte DNA des Bakteriums auch neue Fähigkeiten mit sich bringt, hieß es.

Weiters ausgezeichnet wurden die Erkenntnisse zur Wandlung von Dinosaurier zu Vögeln. Gleich mehrere Forscher verglichen Fossilien mit heute lebenden Vögeln: Sie fanden heraus, dass bestimmte Dinosaurier kleine, leichte Körper entwickelten und sich so zu verschiedenen Vögeln entwickelten - wahrscheinlich, weil sie so leichter Unterschlupf und Futter fanden.

Zur Top Wissenschaft zählen auch neue Methoden, um Insulin-produzierende Beta-Zellen nachzubilden, die von zwei Forschergruppen entwickelt wurden. Diabetes Typ 1 beruht auf der Zerstörung der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Patienten müssen deshalb zeitlebens Insulin injizieren, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.

Für erwähnenswert halten die "Science"-Herausgeber einen neu entdeckten Jungbrunnen für Mäuse: Das Blut junger Tiere kann ältere Artgenossen verjüngen. Ein Forscher-Team verabreichte älteren Mäusen das Protein GDF11 aus dem Blut junger Tiere und beobachtete die Regeneration von Muskeln und Gehirn. Ein anderes Team berichtete, dass Blut oder Plasma junger Mäuse das Gedächtnis älterer stärkt. Jetzt läuft ein Versuch, bei dem Alzheimer-Patienten Plasma junger Spender bekommen.

Ebenfalls unter die Top Ten geschafft haben es Forscher, die mit einem Laser-Lichtstrahl das Gedächtnis von Mäusen umprogrammiert haben. Optogenetik nennt sich die Technik, die etwa reale Erinnerungen von Mäusen durch falsche oder schlechte Erinnerungen durch gute zu ersetzen ermöglichte.

Die Kilobots haben ein "K" geformt

Michael Rubinstein, Harvard University

Kilobots bilden völlig selbstständig einfache Strukturen.

Auf der Hitliste finden sich außerdem neuromorphe Chips. Sie ahmen das menschliche Gehirn nach - und das wohl mit Erfolg. Computerexperten, etwa vom Technologiekonzern IBM, haben die Chips entwickelt, die Informationen ähnlich wie das menschliche Gehirn verarbeiten.

Die Kooperation zwischen Robotern zählt ebenfalls zu den Top-Durchbrüchen. Roboter können ohne menschliche Kontrolle zusammenarbeiten. Das haben verschiedene Forschergruppen in mehreren Projekten gezeigt. In einem bauen programmierte Roboter gemeinsam ohne weitere Anleitung von Menschen einfache Strukturen.

Zehn mal zehn Zentimeter große messenden Mini-Satelliten werden schon seit rund zehn Jahren in die Atmosphäre geschossen, aber in 2014 sind 75 von ihnen gestartet - ein beachtlicher Rekord, wie "Science" findet. Die sogenannten CubeSats seien eigentlich für Studenten konzipiert, hätten aber in diesem Jahr wertvolle Forschung betrieben.

Versagen des Jahres

Neben den wissenschaftlichen Durchbrüchen hat "Science" auch das Versagen des Jahres gekürt: die globale Reaktion auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika.

"Zu wenig, zu spät", schreibt "Science"-Chefredakteurin Marcia McNutt im Editorial des Magazins. Sie hoffe, dass diese Tragödie alle Beteiligten zu Bemühungen veranlasse, die Ausbreitung im nächsten Jahr zu stoppen. Im März 2014 war der Ausbruch in Westafrika international bekannt geworden. Forscher nehmen rückblickend an, dass ein kleiner Junge in Guinea das erste Opfer gewesen sein könnte. Er starb Ende Dezember 2013. Inzwischen gibt es viele Tausend Ebola-Opfer.

science.ORF.at/APA/dpa

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