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Bei Krankheit: Unterstützung aus dem Netz

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter laden dazu ein, Persönliches zu teilen. Aber nicht nur die Bilder vom letzten Urlaub werden so publik. Auch Menschen mit chronischen Krankheiten finden auf diesem Weg Schicksalsgenossen. Sie holen sich Tipps und schöpfen neue Hoffnung durch den Austausch mit der Community.

Social Media 27.12.2014

Besonders Patienten mit Multipler Sklerose, Parkinson und Krebs nutzen Soziale Netzwerke, um Kontakte zu knüpfen.

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Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmete sich auch das "Mittagsjournal" am 27. Dezember 2014 um 12 Uhr.

Up to date über Facebook

In Österreich erkranken jährlich etwa 38.000 Frauen und Männer an Krebs. Besonders häufig sind dabei Brust, Prostata und Lunge betroffen. Auch die 40-jährige Jenny, Mutter von drei Kindern, wurde im vergangenen Jahr mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Anstatt den Mut zu verlieren, kämpfte sie gegen die Erkrankung an. Wie es scheint mit Erfolg, denn mit mehreren Operationen und Chemotherapien konnten die bösartigen Krebszellen zerstört werden.

Während der schweren Zeit waren ihr besonders Familie und Freunde eine große Stütze. Diese informierte sie unter anderem auch via Facebook über ihren Gesundheitszustand. "Hier gab es mehrere Personen aus meinem Familien- und Freundeskreis, die Angst davor hatten, auf meine Nachrichten zu reagieren, weil sie nicht wussten, was sie genau schreiben sollten. Ob sie etwas schreiben, war mir aber gar nicht so wichtig. Was für mich zählte, war, dass sie wissen, wie es mir geht. Andere Personen haben mich hingegen mit ihren Kommentaren unterstützt. Sie haben zum Beispiel geschrieben 'Halt durch' oder 'Du schaffst das'", erzählt Jennifer.

Selbsthilfegruppen in sozialen Netzwerken

Social Media wird von den Betroffenen auch anders genutzt, zum Beispiel in Form von Selbsthilfegruppen. Auf Facebook gibt es davon mehrere. Hier kann sich jeder anmelden, der mehr Information zu seiner Erkrankung erhalten und sich mit anderen austauschen möchte.

Der Leiter des Krebsforschungsinstituts im Wiener Wilhelminenspital, Heinz Ludwig, sieht dabei mehrere Vorteile: "Man kann unbegründete Ängste abbauen oder sich über die idealen Behandlungszentren informieren." Zudem lerne man auch aus den Erfahrungen anderer Betroffener und werde durch die Fülle an Information auch für den Arzt zu einem besseren Gesprächspartner. Zum Beispiel können dadurch Behandlungsmethoden konkreter besprochen werden.

Von Laien betriebene Plattform

Roberto Grüning hat vor rund 20 Jahren, nachdem sein Vater an Krebs erkrankt ist, begonnen, sich verstärkt mit dem Thema Krebs auseinanderzusetzen. Vor sechs Jahren gründete er die Facebook-Gruppe "Krebs ist heilbar". Heute hat sie mehr als 8.000 Mitglieder aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die Plattform wird von keiner fachärztlichen Gesellschaft, sondern von Laien betrieben.

Grüning wollte eine Plattform schaffen, die Informationen unterstützend zur Schulmedizin anbietet, aber auch Alternativen liefert. "Es gibt in der Gruppe die Möglichkeit, Links und Dokumente zu posten. Zum Beispiel werden hier Informationen über und Adressen von alternativen Kliniken, spezialisierten Kliniken, Ärzten und Therapeuten gesammelt. Bei uns werden aber auch Erfahrungen ausgetauscht und Fragen gestellt. Nehmen wir das Beispiel, jemand hat eine Chemotherapie angefangen, es geht ihm ganz schlecht. Dann wird gefragt 'Was kann ich machen gegen die Übelkeit?' Da wirkt zum Beispiel Ingwertee." Tipps, die man zur Sicherheit mit dem behandelnden Arzt absprechen sollte.

Vorsicht bei Fehlinformation

Wem man online sein Herz ausschüttet, sollte wohl überlegt sein, sagt der Onkologe Heinz Ludwig. Denn nicht jede Information, die man erhält, sei hilfreich. Alternative Behandlungsmethoden zum Beispiel hält er für den falschen Weg. "Wenn jemand sagt: 'Ich habe eine Therapiealternative zur Operation von Brustkrebs', so ist das reine Fantasie", meint Ludwig.

Der Austausch über soziale Netzwerke sei zwar grundsätzlich nützlich, jedoch rät er, sich die Seiten genau anzusehen. Werden dort zum Beispiel einzelne Medikamente namentlich beworben, so stehe vor allem der Profit im Vordergrund und nicht die Hilfestellung.

Réka Tercza, Ö1 Wissenschaft

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