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Ein landwirtschaftlich genutztes Feld auf der Osterinsel vor dem Vulkan Poike

Kein Kollaps auf der Osterinsel

Der Untergang der Hochkultur auf der Osterinsel gilt manchen als Lehrbeispiel einer menschengemachten ökologischen Katastrophe. Eine neue Studie widerspricht: Die Landnutzung und die Nahrungsmittelproduktion ist an einigen Orten zwar vor der Ankunft der Europäer stark zurückgegangen, es war jedoch kein Ökokollaps.

Ökologie 05.01.2015

Vielmehr könnten geringe Niederschlagsmengen und schlechte Bodenqualität zu den lokalen Rückgängen geführt haben.

Ursachen des Untergangs

Die Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences":

"Variation in Rapa Nui Easter Island land use indicates production and population peaks prior to European contact" (sobald online) von Christopher M. Stevenson et al., erschienen am 5. Jänner 2015.

Die am Ostersonntag 1722 von Niederländern entdeckte Insel ist einer der am weitesten vom Festland entfernten Orte der Welt. Die Osterinsel, auch Rapa Nui genannt, war Jahrhunderte zuvor von Polynesien aus besiedelt worden. Sie ist berühmt für die Hunderte riesiger Steinstatuen, die Moai, und gehört seit 1995 zum Weltkulturerbe.

Blick auf die riesigen monolithischen Steinstatuen (Moai) auf der Osterinsel

EPA, IAN SALAS

Blick auf die riesigen monolithischen Steinstatuen (Moai) auf der Osterinsel.

Die Geschichte der Insel vor der Entdeckung durch die Europäer ist umstritten. Nach einer bekannten Theorie ereignete sich ein gesellschaftlicher Zusammenbruch infolge von Überbevölkerung und Abholzung der Insel. So hätten die Eingeborenen selbst die einst blühende Insel in eine Ödnis verwandelt. Die These des ökologischen Kollaps' hat besonders der US-amerikanische Anthropologe Jared Diamond populär gemacht. Andere Forscher sehen als Grund für den starken Bevölkerungsrückgang auf der Osterinsel erst die von Europäern eingeschleppten Krankheiten an wie Pocken, Syphilis und Tuberkulose.

Regionale Rückgänge der Nutzung

Ein Team um Christopher Stevenson von der Virginia Commonwealth University in Richmond untersuchte nun die Landnutzung an verschiedenen Orten auf der Insel anhand des Vulkangesteins Obsidian. Dieses glasartige Mineral wurde von den Einwohnern der Osterinsel auf vielfältige Weise im täglichen Leben genutzt. Die Flächen des bearbeiteten Obsidians verbinden sich umso stärker mit Wasser (Hydration), je länger sie der Witterung ausgesetzt sind. Diesen Umstand nutzten die Forscher, um die Herstellung der Obsidianartefakte zu datieren. Aus der Häufigkeit der jeweils auf einem Areal von 500 mal 500 Metern gefundenen bearbeiteten Steine errechneten sie ein Nutzungsprofil dieses Areals über die Jahrhunderte hinweg.

Moai, Steinstatuen auf der Osterinsel

EPA, IAN SALAS

Die Steinstatuen in der größten Zeremonien-Anlage Ahu Tongariki.

Eines der Areale liegt im Regenschatten des mit 505 Metern höchsten Bergs der Insel, Mount Terevaka. Es wurde den Ergebnissen zufolge bis etwa 1660 intensiv genutzt. Bei der Ankunft der Europäer 1722 war die Intensität der Nutzung auf die Hälfte zurückgegangen und sank dann langsam weiter bis 1900. Ein anderes Gebiet ist zwar sehr regenreich, hat aber einen stark ausgelaugten Boden. Die Spuren der Nutzung gehen nach 1710 deutlich zurück.

Irreführende Beschreibung

Ein dritter Ort, mehr als vier Kilometer von einer Küste entfernt gelegen, wurde über die Jahrhunderte hinweg mehr oder weniger intensiv genutzt. An dieser Stelle gibt es reichlich Regen und eine gute Bodenqualität.

Aus ihren Ergebnissen folgern Stevenson und Kollegen, dass Regen- und Bodenverhältnisse entscheidend für die Landnutzung gewesen seien, und nicht die Größe der Bevölkerung. So sei es möglich, dass eine verminderte Landnutzung vor Ankunft der Europäer zur Nahrungsmittelreduktion und zu Konflikten geführt habe, die Studie belege aber keinen inselweiten Kollaps der Bevölkerung. "Diese Analyse zeigt, dass das Konzept eines Zusammenbruchs eine irreführende Charakterisierung der prähistorischen menschlichen Bevölkerungsentwicklung ist", fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

science.ORF.at/APA/dpa

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